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Kaffee für den Pott

Von am 30. Juni 2020
Bei der Bahnhofsmission in Essen war man sehr glücklich über eine große Spende aus dem Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen: waren doch die für ihre Arbeit so wichtigen Kaffeespenden in den Zeiten des Lockdowns rapide eingebrochen. Gerade jetzt ist „die Tasse Menschlichkeit“ noch wichtiger als ohnehin, und da kamen rund 900 Kaffeepäckchen, die auf Initiative der syno-dalen Männerarbeit gesammelt wurden, wie „gerufen“.

Spende

900 Pfund Kaffee an Essener Bahnhofsmission übergeben

Manchmal kann „eine Tasse Menschlichkeit“ so wichtig sein: als Aufmunterung, als Gesprächsangebot, als Zeichen des Miteinanders. Nicht nur in „Corona-Zeiten“ bieten die Frauen und Männer der Bahnhofsmission dieses Mehr der „Tasse Menschlichkeit“ an. Rund 900 Kilo Kaffee im Jahr braucht etwa die Saarbrücker Bahnhofsmission für dieses Angebot.

900 Pfundspäckchen – also fast eine halbe Tonne – wurden kürzlich in den evangelischen Kirchengemeinden im Kreis Altenkirchen gespendet und von Thorsten Bienemann, Vorsitzender der synodalen Männerarbeit, zur Bahnhofsmission in Essen gebracht. „Kaffee für den Pott“, schmunzelt er.

Als die heimische Männerarbeit im Februar ihre Kaffee-Sammel-Aktion startete – angeregt durch die Landeskirche – war Corona noch nicht im deutschen Alltag angekommen. Bis Mitte März konnten Kaffee oder Teespenden bei den rührigen Männern und in den Gemeindebüros abgegeben werden. Aus allen 15 Kirchengemeinden kamen Spenden, zusätzlich steuerten heimische Unternehmen (REWE Daaden und Kaufland Kirchen) größere Mengen bei.

Als die Kaffee-Aktion nach Weihnachten von der Männerarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen – hier beim Auftakt in Kirchen – angeregt wurde, plante man mit einer Sammlung bis Mitte März und der Auslieferung der Kaffee-Spenden zu Frühlingsbeginn. Corona-bedingt musste abgewartet werden und erst jetzt – kurz vor Sommerbeginn – konnte Synodalbeauftragter Thorsten Bienemann (Bildmitte) die Spenden nach Essen bringen.

Ende März sollten die Spenden dann zu einer Bahnhofsmission gebracht werden. Doch bekanntlich stand plötzlich nicht nur die kirchliche Welt Mitte März „still“.

Mit den zunehmenden Lockerungen im Frühsommer wurde das Einsammeln vor Ort möglich und auch die Lieferung an die „blauen Engel“ der Bahnhofsmis-sion. Die vielen Kaffee- und Teepäckchen fanden den Weg nach Essen und unterstützen dort, aber auch in Hagen und Dortmund die Arbeit mit Menschen, die in akuten Nöten oder existentiellen Notlagen sind.
Groß war die Freude beim Team der Bahnhofsmission als Thorsten Bienemann mit der großen Lieferung ankam. Hat doch auch die Bahnhofsmission in diesen außergewöhnlichen Zeiten die „Quadratur des Kreises“ zu bewältigen: Immer mehr Menschen haben das Bedürfnis nach der „Tasse Menschlichkeit“.

Die Pandemie-Einschränkungen haben nicht nur das Leben von Obdachlosen kräftig durcheinandergewirbelt: geschlossene Aufenthaltsräume, Kontaktbeschränkungen, eingeschränkte Hilfsangebote, Ängste und unerfüllbare Auflagen. Demgegenüber ging die Spendenbereitschaft gegenüber den Einrichtungen, die Hilfsangebote unterbreiten, heftig spürbar zurück. Stationen, die Grundversorgungsleistungen für Bedürftige anbieten, merkten es in den vergangenen Wochen sehr schnell. Nahrungs- und Kleiderspenden blieben aus oder Übergaben und Verteilung litten, manches scheiterte an Schutzbestimmungen.

So erging es auch der Bahnhofsmission in Essen, wie der heimische Männerarbeiter erfuhr. Selbst die Zutaten für die „Tasse Menschlichkeit“ waren knapp geworden und so kam die Spenden aus dem Kirchenkreis Altenkirchen nun im Juni wie gerufen. „Wir freuen uns sehr und sind dankbar für diese Unterstützung“, unterstrich Sandra Dausend, die Leiterin des Essener Caritas-Verbandes

Die Bahnhofsmission in Essen etwa hat neben den eingeschränkten Räumlichkeiten ihre Arbeit weit hinaus auf die Straßen gelenkt. Kaffee wird in der Einrichtung gebrüht und dann von den Streetworkern „aufsuchend“ verteilt. „So bringen wir den Menschen, deren Leben aus den Fugen geraten ist, mit unseren Heißgetränken einen Moment in dem sie dem Alltag kurz entfliehen können, in dem sie durchatmen können…“, erfuhr Bienemann. Ihm zeigte das Wirken der Bahnhofsmission wie eine offene Gesellschaft funktionieren kann. An den Bahnhöfen – dem zentralen Knotenpunkt im Netz der mobilen Gesellschaft – würden sich Menschen aus ihrem Glauben heraus in den Dienst an den Menschen stellen, die besondere Unterstützung brauchen.

Die Männerarbeit im Kirchenkreis ist neben dieser Kaffee-Sammel-Aktion auch während der Corona-Zeit hier vor Ort aktiv, unterstreicht Bienemann. Die großen Veranstaltungen (Männerfrühstücker, Fahrten u.a.) fallen zwar aus Schutzgründen noch länger aus, dafür sind aber viele kleine soziale Aktionen im Moment gefragt. „Unser gutes Netzwerk trägt uns bewährt auch unter den Belastungen und wir stehen uns und anderen helfend zur Seite!“. Nicht nur die praktischen Hilfen wie Einkaufshilfen und Besorgungen seien wichtig, viel mehr aber die Gespräche und Kontakte, für die sich die Männer viel Zeit nehmen und nahmen. „Man kann sich auch mit Abstand gut nahekommen!“

Wer Kontakt sucht kann auch die Männerarbeit weiterhin erreichen unter:

Maennerarbeit-ak@t-online.de

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