Dirigent zeigt Fußakrobatik an der Posaune

Von am 24. Oktober 2016
Eine köstliche, solistische Einlage beim zünftigen Herbstkonzert des Musikvereins 1871 Niederfischbach gab Orchesterleiter Andreas Glöckner, der mit Füßen und Händen zugleich zwei Posaunen, eine Trompete und ein Flügelhorn spielte, derweil ihm vier Musiker ihre Puste dazu „liehen“. Foto: Eva-Maria Stettner

Eine köstliche, solistische Einlage beim zünftigen Herbstkonzert des Musikvereins 1871 Niederfischbach gab Orchesterleiter Andreas Glöckner, der mit Füßen und Händen zugleich zwei Posaunen, eine Trompete und ein Flügelhorn spielte, derweil ihm vier Musiker ihre Puste dazu „liehen“. Foto: Eva-Maria Stettner

Herbstkonzert

Musikverein Niederfischbach bereitet dem Publikum zünftig-schöne Stunden – Jugendorchester erstmals dabei

Wenn der Musikverein Niederfischbach zum Herbstkonzert bläst, ja, dann geht’s so heiß her, dass sich der Dirigent die Socken auszieht und Oktoberfest versierte Bayern dagegen wie Waisenknaben aussehen. Zum vierten Mal haben die 35 Musikerinnen und Musiker aus dem Asdorftal ihre grüne Uniform gegen Dirndl und Lederhosen getauscht und am Samstag zum bayrischen Abend in die weiß-grün geschmückte Turnhalle am Rothenberg eingeladen, wo sie die Besucher mit volkstümlicher Blasmusik, aber auch mit aktuellen Hits, kölschen Stimmungsliedern, Popsongs und bayrischen Leckereien wie Leberkäse und Brezeln verwöhnten.

„Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, die Halle auf links gekrempelt und in den letzten Wochen nichts anderes gemacht, als die Stücke in unsere Köpfe und Finger zu üben“, rief Moderator Felix Otterbach den Gästen zu und griff spielfreudig zu seiner Tuba. Das Orchester unter Leitung von Andreas Glöckner eröffnete das Programm mit dem beschwingten Marsch „Kameradentreue“. Schon beim zweiten Stück, der Oberkrainer Polka „Guten Morgen“, klatschten alle in der vollen Halle den Takt begeistert mit.

Farbenprächtig kam die Egerländer Festtagspolka daher. Bei der „Reise nach Mähren“ übernahm Thorsten Zöller am Tenorhorn die „Reiseleitung“ und erntete Bravorufe für sein gefühlvolles Solo. Beim wiegenden Walzerrhythmus der Schnulze „Fliege mit mir in die Heimat“ schunkelten alle so selig mit, dass die Alpenveilchen und Kastanien auf den schön dekorierten Tischen tanzten. Mitreißend spielten die Musiker „Dafür mach ma‘ Musik“ und danach die Polka „In der Urschenke“.

Nach dem „San Lorenzo Marsch“, einem weltbekannten argentinischen Militärmarsch, der seit 1911 auch die Wachablösung am Buckingham Palast umrahmt, gab es die junge „Wachablösung“ auf der Bühne: Erstmals wirkte beim Oktoberfest-Herbstkonzert auch das Jugendorchester mit und zeigte, was es unter neuer Leitung von Julius Otterbach und Sophia Weyel gelernt hat – wobei Erstgenannter an diesem Abend dirigierte und die junge Dame moderierte. Die Musikerjugend wusste sich gut zu präsentieren. Zunächst nahm Lars Waffenschmidt mit Tirolerhut allein am Schlagzeug Platz, trommelte immer ungeduldiger und fragte, wo denn nur die „Antons“ bleiben. Da marschierten „Anton!“ skandierend rund 20 Nachwuchsmusiker heran und ließen mit „Anton aus Tirol“ hören, was sie musikalisch drauf haben. Für den Song „Hulapalu“ von Andreas Gabalier tauschte Luca Waffenschmidt ihr Tenorhorn mit dem Mikrofon und bewies, dass Blechbläserinnen auch singen können. Bei Wolfgang Petrys Song „Wahnsinn“ ließen sich die Zuhörer nur einmal von den jungen Musikern die rote Karte zeigen, dann gab das Publikum dem Jugendorchester lauthals Begleitung: „Hölle, Hölle, Hölle!“. Prompt wurde das Publikum mit Smileys belohnt – und das Jugendorchester mit donnerndem Beifall.

Bevor das große Blasorchester wieder übernahm, nahm Dirigent Andreas Glöckner allein auf der Bühne Platz, zog sich vor dem verblüfften Publikum Schuhe und Socken aus und wienerte sich vor wieherndem Saal die Zehen, derweil Jürgen Fuchs an der Tuba das Stück „Lonely Boy“ spielte. Bauklötze staunte das Publikum aber, als Glöckner dieses Lied mit Füßen und Händen zugleich auf zwei Posaunen, einer Trompete und einem Flügelhorn spielte. Die Luft dazu „liehen“ ihm Simone Imhäuser, Aaron Utsch, Björn Wiedemann und Tobias Wagner, wie Jürgen Fuchs Kollegen vom Bollnbacher Musikverein Herdorf, den Glöckner ebenfalls leitet. Ein köstlicher Gag!

Der Musikverein Niederfischbach garantierte weiter beste Stimmung mit Medleys von Helene Fischer, den Brings und den Les Humphries, Hits von den Toten Hosen und DJ Ötzi, geizte auch nicht mit Zugaben, sondern servierte noch Schmankerl wie den „131er Marsch“, herrliche Polkas wie „Böhmischer Traum“ und jede Menge bayrischer Unterhaltungsmusik. Immer wieder stimmten alle in der Halle „Ein Prosit“ auf die Gemütlichkeit an und ließen auch die Gläser klingen.

Eva-Maria Stettner
RZ Kreis Altenkirchen vom Montag, 24. Oktober 2016, Seite 15