Praktikanten im Tierpark immer willkommen

Von am 13. Januar 2014

Hanna Mockenhaupt und Dominic Müller von der IGS Betzdorf-Kirchen machen derzeit ein Praktikum im Tierpark Niederfischbach. Unter anderem lernen sie hier seltene Haustierrassen kennen, wie die neu im Park beheimateten Brillen- und fünf Walachenschafe. Foto: Peter Seel

In Niederfischbach kümmern sich drei Schüler der IGS Betzdorf-Kirchen auch um seltene Haustierrassen

Für die meisten Schüler ist es keine Frage, wo sie während ihres letzten Schuljahrs ein Betriebspraktikum machen wollen, um in die Berufswelt hineinzuschnuppern. Viele Mädchen möchten die Schere im Friseursalon schwingen, die meisten Jungen die Motoren in einer Kfz-Werkstatt heulen hören. Anders ist es bei Hanna Mockenhaupt, Dominic Müller und Paul Erkelenz. Die drei Schüler der IGS Betzdorf-Kirchen lieben Tiere und entschieden sich für ein Jahrespraktikum mit Gummistiefeln und Regenjacke – im Tierpark Niederfischbach.

Hier, im Kesselbachtal, kümmern sie sich seit August 2013 jeden Mittwoch von 8 bis 15 Uhr um die Versorgung der Tiere: etwa um die trächtigen Meerschweinchen im Wärmehäuschen oder die Bewohner der Kaninchenburg, um die niedlichen Frettchen oder die Ponys in deren Stall. Die drei Schüler bringen schubkarrenweise Heu zu den Gehegen oder basteln „Überraschungspäcken“ mit Futter zur Beschäftigung der Berberaffen. Doch nicht nur pflegen und füttern steht auf ihrem Programm. Zum Aufgabenbereich der drei zählt auch das Ausmisten der Ställe – Nase zu und durch, heißt es in solchen Situationen.

Auch die neuen Bewohner im oberen Teil des Tierparks, die fünf Brillen- und fünf Walachenschafe, müssen die Praktikanten versorgen. Die Tiere gehören zu den vom Aussterben bedrohten Haustierrassen, denen der Tierpark – neben den heimischen Wildtieren – ein Zuhause bietet. Hierbei orientiert sich der Vorstand des Tierparkvereins am sogenannten Arche-Konzept für bedrohte Haustierrassen. „Bei uns leben fünf der weltweit letzten 400 Brillenschafe und fünf der letzten 160 Walachenschafe“, erzählt Peter Merzhäuser, Geschäftsführer des Tierparkvereins, nicht ohne Stolz. Die Brillenschafe kommen von einem Biobauern aus Oberbayern; die Walachenschafe von einer Züchterin von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) in Witzenhausen bei Kassel.

Die Chemie zwischen Schafen und Praktikanten scheint zu stimmen: Zutraulich kommen die sonst recht scheuen Tiere näher, als Hanna und Dominic den Futtereimer schütteln. Vielen der anderen Tiere haben die drei sogar eigene Namen gegeben: „Der Deutsche Riese, einer unserer Hasen, heißt Klopper, und eine junge Ziege heißt Charlie“, erzählt die 14-jährige Herdorfin. Obwohl sie und die beiden anderen Praktikanten schon ein halbes Jahr im Tierpark helfen, haben sie noch lange nicht alles gesehen, erzählen sie. So gab es in der letzten Zeit keine Tiergeburt: „Aber das kann mir gern noch erspart bleiben“, gesteht Dominic. Den 14-jährigen Brachbacher hat das Praktikum im Tierpark bei seiner Suche nach dem richtigen Beruf dennoch weitergebracht: „Die Arbeit macht mir viel Spaß. Ich könnte mir wirklich vorstellen, in Zukunft als Tierpfleger zu arbeiten.“

Peter Merzhäuser freut sich über die Unterstützung „seiner“ Praktikanten. „Sie sind fleißig und engagiert, und wir können hier im Park ja jede Hilfe brauchen. Gern können sich noch mehr junge Leute bewerben.“ Willkommen sind dem Park auch Schüler, die ihr Praktikum wochenweise, etwa in den Ferien, machen möchten. Im Gegenzug bietet sich den Jugendlichen eine praxisbezogene Orientierungshilfe für die Zukunft.

Schüler aus der Region, die ebenfalls an einem Praktikum im Tierpark Interesse haben, können sich jederzeit beim Tierparkverein melden: Peter Merzhäuser, Telefon 02734/ 571 026.

Das Arche-Konzept im Kesselbachtal

Das Arche-Konzept, das im Tierpark Niederfischbach umgesetzt wird, steht für den Schutz alter und vom Aussterben bedrohter Haus- und Nutztierrassen. Die jetzt neu angeschafften Brillen- und Walachenschafe im Kesselbachtal sind nur zwei von rund 1500 Haustierrassen, die weltweit gefährdet sind. Einige davon haben im Park ein neues Zuhause gefunden: elf französische Oessant-Schafe, drei Bunte Bentheimer Landschweine, einige Exemplare der Hühnerrasse „Bergischer Kräher“ und fünf Fjällrinder – von diesen „Wikingerkühen“ aus Skandinavien gibt es weltweit nur noch rund 1000. Alle diese Arten haben für die heutige Landwirtschaft keinen Nutzen mehr; Parks wie der in Niederfischbach sind die einzige Chance zu ihrer Erhaltung. Schon durch ihre genetische Ausstattung könnten diese alten Tierarten eines Tages wieder an Bedeutung gewinnen – sie sind krankheitsresistenter und robuster als heutige Haustierrassen. sel

 

Sabrina Rödder
RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Samstag, 11. Januar 2014, Seite 20

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