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Die Bahn – ein kurzes Intermezzo

Nur noch die beiden Gleise 1 und 4 am Platz des ehemaligen Bahnhofs von Niederfischbach erinnern heute daran, dass bis vor 27 Jahren noch Züge durch den Ort fuhren. Das ehemalige Bahnhofsgebäude sowie der Güterschuppen – die letzten beiden authentischen Gebäude der Eisenbahngeschichte des Ortes – wurden im Mai 1993 abgerissen. Niederfischbach wurde um ein Baudenkmal ärmer.

Das alte Bahnhofsgebäude

Die Interessensgemeinschaft Asdorftalbahn hat dort ein kleines Museum eingerichtet. Wer es besuchen möchte, fährt heute mit dem Rad auf der ehemaligen Trasse der Bahn dorthin. Nachdem die Bahnstrecke mehrere Jahre brach lag, entschloss sich die Gemeinde, die ebene Linienführung für einen Radweg zu nutzen.

Am 15. Mai 1888, so sagen es mehrere Chroniken, wurde der Ort mit der Fertigstellung des Abschnitts Kirchen – Freudenberg an das Bahnnetz angeschlossen. Bereits 1858 wurde die Strecke von Deutz bis Hennef und nachher bis Eitorf dem Betrieb übergeben. 1860 wurde die Strecke bis Wissen ausgebaut,  1861 konnte man bis Betzdorf und Siegen mit der Bahn fahren. Der Bau der insgesamt 33,5 Kilometer langen Strecke von Kirchen über Niederfischbach und Freudenberg nach Olpe vollzog sich in mehreren Abschnitten. Mit dem Anschluss an das Streckennetz der Eisenbahn konnte man auch Ziele im Norden des Landes erreichen, ohne über Kirchen fahren zu müssen.

Ohne Zweifel haben die Gruben vom Anschluss an das weitverzweigte Netze der Bahn profitiert. Fischbacherwerk, Wilhelmine und Glücksbrunnen     wurden mit Schmalspurbahnen an die Bahnstrecke angeschlossen. Nur mit geschultem Blick erkennt man heutzutage noch den Verlauf dieser alten „Werksbahnen“. Wie schwierig das manchmal ist,  zeigt sich in der Schlesingstraße, wo früher die große Schmelze stand. Mehrere Gleisstränge führten daran vom Fischbacherwerk kommend vorbei. Nichts deutet heute mehr darauf hin, dass hier einst Schienen lagen. Geblieben ist nur ein kleiner Fußweg, der vom Tierpark in Richtung Neubaugebiet „Auf der Hardt“ führt. „Auf der Stürze“, wo heute der große Lebensmittelmarkt steht, endete die Schmalspurbahn der Grube Fischbacherwerk. Die Gemeinde hat dort einen alten Grubenwagen als Industriedenkmal aufgestellt. Alte Fotos zeugen von der Vitalität des einstigen Umschlagplatzes mitten im Ort. Auch von der mächtigen Aufbereitungsanlage am Hahnhof und deren Gleisen ist nichts mehr zu sehen. Der Verlauf der Schienen, die ebenfalls an die Bahnstrecke Niederfischbach – Betzdorf angeschlossen waren, lässt sich bestenfalls erahnen.

Für die Menschen war die Zugverbindung nach Betzdorf stets interessanter und wichtiger als in den Norden. Nach dem Zweiten Weltkrieg und mit zunehmenden Wohlstand der Bevölkerung ging das Interesse an der Bahn zurück. Im selben Maß nahm der Individualverkehr zu. Bereits am 5. Januar 1976 fuhr die letzte Dampflok durch Niederfischbach. Noch fuhren montags bis freitags acht Zugpaare nach Betzdorf, während in Richtung Olpe  nur zwei durchgehende Zugverbindungen bestanden. Hauptlokführer Heinz Schmidt steuerte am 5. Januar 1976 den letzten dampfgeführten Güterzug von Betzdorf nach Niederfischbach und zurück. Eine über 100-jährige Dampfloktradition ging zu Ende.

Letzte Fahrt der Dampflokomotive am 05. Januar 1976

Es dauerte nicht mehr allzu lange, ehe am 28. Mai 1983 auch der Reisezugverkehr endgültig eingestellt wurde. Die Epoche der Eisenbahn in Niederfischbach dauerte keine 100 Jahre.

Letzter Schienenbus auf der Strecke Betzdorf – Olpe am 28. Mai 1983