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Geschichte

Wie Niederfischbach einst entstand

Nach seiner Pensionierung war Pfarrer Josef Rinscheid (1880-1961) wegen seiner Freundschaft zu Pastor Engel 1948 nach Niederfischbach gezogen. In unserer Gemeinde fühlte er sich sehr wohl. Manche Niederfischbacher erinnern sich noch heute an die vielen Spaziergänge, bei denen sie als Jugendliche ihn begleiteten. Pastor Rinscheid war ein begeisterter Hobbyarchäologe und führte hier seine Heimatforschungen durch. Auch seine Fähigkeit als Wünschelrutengänger nahmen die Bewohner des Dorfes gerne in Anspruch.

1954 formulierte er in dem folgenden Gedicht, wie er sich die Entstehung Niederfischbachs vorstellte:

Viele Höfe im Siegerland
kenn ich seit den Jugendtagen.
Soll den schönsten Ort ich nennen,
muss ich Niederfischbach sagen.

Merkwürdig dir es wohl mag scheinen:
Fischbach ist nicht am Bach gelegen.
Der den Namen ihm gegeben.
Einspruch die Asdorf könnt` einlegen.

Fischbach hält an dem Namen fest,
weil es vor langer, langer Zeit
nördlich am Kreuz am Bodenstein
lag in des Fischbachs Einsamkeit.

Warum Fischbach hinab einst zog
talwärts an der Asdorfstrand.
Niemand vermag es uns zu sagen,
kannst nur vermuten allerhand.

Hab` an dem Bodenstein gegraben:
Fand auch dort manch` alten Stein,
der von Zerstörung mir erzählt;
dies möcht des Dorfes Schicksal sein.

Wo der bekannte Otterbach
mit der Asdorf jetzt sich eint,
soll eine Burg gestanden haben,
heut` noch die belief`rung meint.

Herr von Donzenbach hier wohnte
– kam wohl vom Westerwalde her-,
Fischbachs sich dieser Herr erbarmt,
Lies es nicht weiter ziehen mehr.

Half dann den armen Leute bauen,
schützt` sie mit seiner starken Hand.
Selbst eine Kirche am Bergeshang
Durch seine Wohltat hier erstand.

Burg und Geschlecht von Donzenbach
sind dem Gedächtnis jetzt entschwunden
Nur noch eine stille Straße kann
jetzt noch den Namen uns bekunden.

Und noch an dieser Straße ragt
heut` noch der alte Turm empor:
Mag er als Denkmal alter Zeit
Fischbach erfreuen wie zuvor.

(Josef Rinscheid 1954)

Die Kelten, die Ureinwohner unserer Heimat.

Schriftliche Urkunden über unsere Frühzeit fehlen. Wir wissen aus Bodenfunden, der Ortsnamenkunde und der Siedlungsgeschichte heute ziemlich sicher, dass die Kelten die Ureinwohner unserer Heimat waren. Bereits 500 vor Christus gruben sie hier im Siegerland nach Eisenerz. Diese Zeitepoche bis zum 1. Jahrhundert nach Christus wird nach einem Fundort am Neuenburger See in der Westschweiz auch La-Tène-Zeit genannt. Die Kelten schürften das Erz im Tagebau und schmolzen es in den „La-Tène-Öfen“ zu Eisen. Bis Ende des 20. Jahrhunderts waren noch Fundstellen dieser Öfen am Giebelberg Richtung Mudersbach und Richtung Oberschelden bzw. in Gosenbach zu sehen. Nachbauten gibt es z.B. im oberen Schloss in Siegen. Mit den Kelten begann die eisenverarbeitende Industrie in unserer Gegend.

La-Tène-Ofen

Die Germanen besiedelten unser Land

Etwa um 200 vor Christus siedelten sich die aus dem Osten kommenden Germanen  in unserer heutigen Heimat an. Es ist anzunehmen, dass nicht alle keltischen Bauern und Eisenleute ihre Heimat verließen, um nach Westen zu wandern. Vielmehr vermischten sich die zurückgebliebenen Kelten mit den Germanen. Die Germanen, zum Teil noch ein Hirten- und Kriegsvolk, übernahmen von den bodenständigen Kelten die Landwirtschaft und die Kunst der Eisenverhüttung. Die Germanen kannten keine Städte oder größere Ansiedlungen, sondern wohnten in kleinen Dörfern oder weit verstreut auf Einzelhöfen. Die Bewohner, die meistens einer Sippe angehörten, bebauten das Land gemeinsam. Ein Teil des gerodeten Landes wurde jährlich als Ackerland bestellt. Da man keinen Dünger kannte, bepflanzte man jedes Jahr ein anderes Feld. Der größte Teil der gerodeten Fläche blieb als Grasland liegen, man spricht von der Feldgraswirtschaft. Vor der Bestellung der Felder wurde das Ackerland geteilt und jedem nach seinen Bedürfnissen zugeteilt. Das Land blieb aber Gemeinschaftsbesitz. „Ein Nachbild dieser germanischen Feldgraswirtschaft haben wir heute noch in unserer Heimat: die Haubergswirtschaft“, schreibt Jakob Rausch 1921 in der „Geschichte des Kreises Altenkirchen. „War jenes eine Feldgraswirtschaft, so haben wir jetzt eine Feldwaldwirtschaft“, wobei der Wald auch im Genossenschaftsbesitz ist. Der Genossenschaftsbetrieb ist also germanischen Ursprungs.

Erste Hinweise über die Entstehung

Siegerländer Orte werden in geschichtlichen Urkunden erst spät, nicht vor dem 11. Jahrhundert erwähnt. So stammt auch die erste bekannte Urkunde, die aus unserer näheren Heimat berichtet und eine ausführliche Grenzbeschreibung angibt, erst aus dem Jahr 1048. Darin bestätigt der Erzbischof Eberhard von Trier die Grenzen des Kirchspiels Haiger, die König Konrad (911-918) im Jahr 913 festgelegt hatte. Die Grenze erstreckte sich von Weilburg im so genannten Haigergau über die Kalteiche, die Wasserscheide zwischen Sieg und Lahn, über den Giebelwald „bis zum Hileweg“, den heiligen Weg, einen früheren Prozessionsweg zu einem Wallfahrtsort an der Quelle „Heiligenborn“ bei Hohenhain: Diese war schon zur Zeit der Kelten ein Heiligtum. Heute kennen wir noch „die Hiljen“, den Weg und das Wegkreuz zwischen Tüschebachsmühle und Äpfelbach.

Niederfischbach wird in dieser Urkunde zwar nicht erwähnt, doch handelt es sich um die Grenzbeschreibung eines Gebietes, innerhalb dessen Niederfischbach wahrscheinlich lag.

Der Name sagt etwas über die Entstehung des Ortes

Oft hilft der Name einer Siedlung, ihre Entstehung einzuordnen. Das „ bach“ an unserem Ortsnamen wird hierzulande auf eine merkwürdige Art ausgesprochen. Wir sagen „Föschbe“
Für das „bach“ am Ende eines Ortsnamens aber kennen wir sonst in unserer Muttersprache drei verschiedene Ausspracheweisen: „bich wie „Wennersbich“ (Winnersbach), „Harbich“ (Harbach): „mich“ wie „Wöllmich“ (Wöllenbach), „Guesemich“ (Gosenbach) und „wich“ wie in „Wäwich“ (Wehbach) und „ Soelwich“ (Solbach). Diese drei Aussprachweisen kann man leicht von der unbetonten Endsilbe „bach“ ableiten, es handelt sich hier um lautgesetzte Aussprachearten unserer Mundart für das Wort „bach“. Für die mundartliche Endsilbe „be“ oder „pe“ gilt das nicht. Hier handelt es sich vielmehr um ein ganz anderes Wort. Dieses Wort findet sich noch in zahlreichen Ortsnamen des Sauerlandes, so zum Beispiel Olpe, Elspe, Sorpe. Es ist zwar auch in diesen Formen sehr verstümmelt, denn es hatte ursprünglich die klangvolle Form „apa“. „Apa“ ist ein altes Wort für einen kleinen Wasserlauf oder einen Bach, als das Wort „Bach“ noch nicht gebräuchlich war. Damit ergibt sich für das Dorf am Fischbach ein hohes Alter. Nach W. Arnold und J. Heinzerling sind die „apa“–Orte unserer Heimat vor 500 n. Chr. gegründet, nach L. Bald sogar vor dem Beginn unserer Zeitrechnung.

Diese „pe“–Form findet sich auch in den älteren schriftlichen Erwähnungen Fischbachs. So heißt es im Jahr 1342 „Overin Vispe“ (Oberfischbach), 1377 „Vispe“, 1437 „Fischpe“, 1469 „Niedernfischpe“. Zum ersten Mal in der Urkunde zur Verleihung der Marktrechte im Jahr 1560 heißt es aber „Niederfischpach“. Man ersetzte also das „pe“ durch „bach“, aus „Fischpe“ wurde „Fischbach“. Die Mundart störte sich aber bis heute nicht an diese Änderung und blieb der alten Form treu.

Oberfischbach – Niederfischbach

Zwei benachbarte Orte haben in ihrem Namen dasselbe Grundwort: Niederfischbach und das jenseits der westfälischen Grenze liegende Oberfischbach. Solche offenbar zusammengehörende Ober- und Nieder-Orte haben gewöhnlich nicht das gleiche Alter. In unserem Falle scheint es ziemlich eindeutig zu sein, dass Oberfischbach die ältere Siedlung ist, da es nämlich am Fischbach liegt. Oberfischbach wird 1342 zum ersten Male ausdrücklich als „Overin-Vispe“ erwähnt. Dieses „Overin“ hat aber ein „Nieder“ zur Voraussetzung. Wir haben damit die erste, wenn auch indirekte urkundliche Erwähnung Niederfischbachs.

Für diese ungeografische Namensgebung haben wir erst eine vernünftige Erklärung, wenn wir Niederfischbach als eine Art Tochtersiedlung von Oberfischbach ansehen, oder beide Orte, Ober- und Niederfischbach, als Tochtersiedlung eines noch älteren, längst vergangenen Ortes Fischbach betrachten.

Jedenfalls ist Niederfischbach später gegründet als sein Namensvetter Oberfischbach oder gar das ursprüngliche Fischbach.

Aus einer anderen Überlegung heraus folgt, dass die beiden Siedlungen vor dem 12. Jahrhundert spätestens angelegt gewesen sein müssen. Um diese Zeit bestand sowohl die Grafschaft Freusburg, zu der wahrscheinlich Niederfischbach von Anfang an gehörte, wie auch die Grafschaft Nassau, die Oberfischbach umfasste. Sollte Niederfischbach von Oberfischbach aus gegründet worden sei, so muss dies geschehen sein, ehe die Grafschaftsgrenze beide Orte trennte, also vor dem 12. Jahrhundert.

1377 wird Niederfischbach selbst in einer Urkunde genannt. Aus diesem Jahr stammt ein Schreiben des Johann von Bicken an Graf Johann III. zu Sayn (1359 – 1408). Darin bittet Johann von Bicken, dass, falls sein Bruder Robin vor ihm sterben sollte, er mit dem Burglehen für sein Lebtag belehnt werde, zu dem auch der „Hof zu Vispe“ (Fischbach) gehörte. In einer Urkunde von 1435 wird „Fischpe“ als Kirchspielort erwähnt. Aus vermutlich ursprünglich wenigen Einzelhöfen ist ein Dorf und der Mittelpunkt eines Kirchspiels geworden. Es ist anzunehmen, dass dazu vor allem die Höfe Birzenthal (unterhalb der heutigen Kreissparkasse gelegen), Donzenbach (heute Wohnhaus Alzer-„Ammisches“), Hahnseifen, Struthof (an der Konrad-Adenauer-Straße gelegen) und der Hof in der Mehlbach gehörten. Von allen gibt es keine Spuren mehr. Nur der Mehlberghof ist erhalten geblieben. Im Staatsarchiv Koblenz finden wir eine Urkunde, in der alle Höfe aufgezeichnet sind und die Dörfer des gesamten Kirchspiels, nämlich der Flecken Freusburg, Harbach und Wingendorf.

Niederfischbach unter der Herrschaft der Grafen zu Sayn

Im 12. Jahrhundert werden als Herren unserer Heimat die von Freusburg genannt: 1138 Eberhard und 1166 Adelbert von „Vroizberg“ (Freusburg). Nach dem Tode der letzten Herren von Freusburg, Mitte des 13. Jahrhunderts, ging das Erbe über verwandtschaftliche Umwege an die Herrschaft des mächtigen und länderreichen Grafen Heinrich III. zu Sayn über. Seit dieser Zeit ist die Geschichte Niederfischbachs eng verknüpft mit der Geschichte der Reichsgrafen zu Sayn. Die Grafen zu Sayn gaben schon früh die Freusburg „mit ihrem Zubehore“, d.h. mit Land und Leuten, dem mächtigen Trierer Erzbischof als Lehen. Der übte die Verwaltung unseres Landes aus, Landesherr war aber der Graf zu Sayn. Die Grafen zu Sayn wurden gerühmt wegen ihrer Treue zu Kirche und Kaiser. So heißt es in der Urkunde, mit der Kaiser Ferdinand I. die Marktrechte an die drei Orte verlieh, die zur Herrschaft des Grafen zu Sayn gehörten: Bendorf, Flammersfeld und Niederfischbach.

Karte der Grafschaft Sayn