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Im Februar wird der Stöpsel gezogen

Von am 1. Februar 2017
Gute Nachricht für Grasfrösche, Gebirgsstelzen und Gelbrandkäfer: Der Verein „Ebertseifen – Lebensräume“ hat den Kaufvertrag für den Tüschebachsweiher unterzeichnet. Peter Merzhäuser und Viktor Fieber umrissen jetzt im Gespräch mit der SZ die Pläne des Vereins. Schon im Februar soll der Ablauf umgebaut werden. Foto: damo

Gute Nachricht für Grasfrösche, Gebirgsstelzen und Gelbrandkäfer: Der Verein „Ebertseifen – Lebensräume“ hat den Kaufvertrag für den Tüschebachsweiher unterzeichnet. Peter Merzhäuser und Viktor Fieber umrissen jetzt im Gespräch mit der SZ die Pläne des Vereins. Schon im Februar soll der Ablauf umgebaut werden. Foto: damo

Kaufvertrag für Tüschebachsweiher ist unterschrieben / Verein „Ebertseifen“ will bald loslegen

Die Dammsanierung bleibt aber die große Herausforderung.

Der Notartermin ist erledigt, der Vertrag unterschrieben: Für den Verein „Ebertseifen – Lebensräume“ ist der Kauf des Tüschebachsweihers damit in trockenen Tüchern. Jetzt müssen nur noch die üblichen notariellen Formalitäten erledigt werden, dann ist die regionale Umweltinitiative Besitzerin des 2 Hektar großen Gewässers und der dazugehörigen Sumpfwiese, die noch einmal rund 1,8 Hektar umfasst.

Welchen ökologischen Wert der Weiher für den Verein hat, verdeutlicht eine Aussage des „Ebertseifen“-Vorsitzenden Viktor Fieber: „Wenn man den Naturschutz ernst meint, dann kann man an der Gelegenheit, diese Flächen zu kaufen, einfach nicht vorbeigehen.“ Schon jetzt sei insbesondere die Sumpfwiese ökologisch ausgesprochen reizvoll. Und auch der Weiher selbst spiele eine große Rolle für die Vogelwelt – obwohl er noch vergleichsweise strukturarm ist. Das soll aber geändert werden, berichtete Peter Merzhäuser, ebenfalls Vorsitzender des Vereins, gestern im Gespräch mit der SZ. Weil insbesondere die Flachwasser- und Verlandungszonen als Lebensraum enorm wichtig sind, sollen die Uferbereiche vergrößert werden, indem Inseln und Halbinseln angelegt werden.

Das wird aber nicht die erste Baumaßnahme sein: Zuerst müssen der Ablauf und der Damm instandgesetzt werden. Das verlangt die Wasserbehörde, die bei der SGD Nord angesiedelt ist. Eben diese Auflagen haben letztlich auch dazu geführt, dass der Tüschebachsweiher überhaupt den Besitzer gewechselt hat: Der bisherige Eigentümer, der Kreisfischereiverein Siegerland, hat sich wegen der Kosten für die Sanierung von seinem Angelgewässer getrennt.

In der Tat kommt da auch auf die neuen Besitzer eine Herausforderung zu: Zwar hat der Naturschutzverein ein eigenes, günstigeres Konzept zur Dammsanierung erarbeitet – aber trotz Eigenleistung werden sich die Kosten auf rund 75 000 Euro belaufen.

Und ohne Reparatur geht’s nicht: Nur wenn der Damm saniert ist, wird die SGD die Genehmigung erteilen, den aktuellen Wasserstand dauerhaft zu halten oder wieder auf das frühere Level (+ 40 cm) zu erhöhen. Ohne Sanierung müssten weitere 50 Zentimeter abgelassen werden. „Dann würde sich die Wasserfläche auf etwa die Hälfte reduzieren“, erklärt Merzhäuser. Das aber soll vermieden werden, betonten Merzhäuser und Fieber unisono – also ist es erklärtes Ziel des Vereins, die Dammsanierung anzupacken.

Deutlich leichter lässt sich der ebenfalls von der SGD geforderte Umbau des Ablaufs realisieren. Derzeit gleicht der Ablauf einem Stöpsel in der Badewanne: Es gibt nur „Weiher voll“ oder „Weiher leer“. Mit geringem Aufwand kann aber ein sogenannter Mönch geschaffen werden, mit dem sich der Wasserstand individuell anpassen lässt. Mit einem Mönch wird ein vorbeugender Hochwasserschutz möglich sein: Schon bevor es zu spät ist, kann der Wasserspiegel gezielt abgesenkt werden, sodass der Weiher zusätzliches Wasser aufnehmen und so als Puffer dienen wird. Außerdem wird ein Mönch auch bei der Dammsanierung von Vorteil sein: „Dann kann am Damm gearbeitet werden, ohne das komplette Ökosystem auf den Kopf zu stellen: Schließlich muss der Weiher dann nicht bei jeder Arbeitsmaßnahme komplett abgelassen werden“, verdeutlichte Merzhäuser.

Nur folgerichtig, dass die Arbeiten am Ablauf zuerst erledigt werden. Damit soll bereits im Februar begonnen werden: „Dann werden wir den Weiher ablassen, und sobald es eine frostfreie Periode gibt, können die Arbeiten beginnen“, stellte Merzhäuser in Aussicht.

Wann die eigentliche Dammsanierung folgt, steht noch in den Sternen – das wird vor allem vom Kassenstand des Vereins abhängen. Der Vereinsvorstand hofft auf externe Unterstützung: Merzhäuser hat bereits die Fühler in Richtung der Stiftung Natur und Umwelt des Landes Rheinland-Pfalz ausgestreckt.

Denn klar ist auch: Das Geld für die Dammsanierung gibt das Konto des Vereins nicht her – schließlich muss die noch relativ junge Naturschutzinitiative auch einen fünfstelligen Betrag für den Kauf des Weihers auf den Tisch legen.

Quelle: Siegener-Zeitung
Autor/Foto: Daniel Montanus