TV 66 Niederfischbach turnt schon 50 Jahre lang

Von am 23. September 2016
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Der TV 66 verbindet Generationen von Niederfischbachern (von links): Die zweite Vorsitzende Marita Hensel; Manfred Hof, der von 1966 bis 1971 der erste Vorsitzende des Vereins war; seine Tochter Katja Otterbach, die aktuell Geschäftsführerin ist; Kassierer Klaus-Peter Zöller und (vorn) die heutige Vorsitzende Helga Flender. Foto: Markus Döring

 

Jubiläum

Baufehler an Halle war schnell beseitigt – Sportgala am Samstag

Seit einem halbes Jahrhundert geht es beim Turnverein TV 66 Niederfischbach an den Schwebebalken, trainiert man Bodenturnen, schwingt Arme und Beine bei Judo, Tanz, Aerobic, hält man kleine und große Turner fit und heimst Ehrungen und Medaillen ein. 50 Jahre TV 66 – das Jubiläum will der 387 Mitglieder starke Traditionsverein um die Vorsitzende Helga Flender am Samstag, 24. September, feiern: Mit einer Gala in der Turnhalle am Rothenberg, bei der die verschiedenen Gruppen und Abteilungen des TV ihr Können zeigen. Eine Besonderheit sind auch die Ehrungen: Unter anderem wird mit Manfred Hof ein Mann der ersten Stunde ausgezeichnet – er war 1966 der erste Vorsitzende des TV.

Der 77-Jährige weiß noch genau, wie es damals anfing: „Es gab ja schon mal einen Turnverein in Niederfischbach“, erzählt er beim Treffen mit der RZ, „aber der musste in den 1930er-Jahren zumachen, weil der Übungsraum Brenner in der heutigen Konrad-Adenauer-Straße abgebrannt war. Als dann 1965 die Schulturnhalle am Rothenberg gebaut wurde, sagten viele sofort, dass wir nun auch wieder einen Turnverein brauchen.“

Bei der Einweihung der Halle 1966 war allerlei sportliche Prominenz gekommen, erzählt Hof weiter, vor allem aus dem Siegerland. Es gab ein Schauturnen mit bekannten Sportlern wie Werner Narres (deutscher Juniorenmeister im Kunstturnen 1956). „Bei der Feier war die Begeisterung groß, und Werner Narres wurde gefragt, ob er als Übungsleiter bei einem neuen Turnverein mitmachen würde. Er sagte: Wenn ihr den TV auf die Beine stellt, bin ich dabei. Da hab‘ ich gesagt: Okay, dann mach‘ ich den Vorsitzenden.“ Beim Jubiläumsfest diesen Samstag werden nun beide Urgesteine des TV 66 für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt: Auch der 80-jährige Narres kommt.

Ebenso wird Waltraud Bommer erwartet und für 50 Jahre im TV geehrt – auch sie einst eine Sportlegende aus dem Siegerland, gehörte die heute 76-Jährige zu den ersten Übungsleitern. Sie waren es, die 1966 mit ihren Namen dafür sorgten, dass zur Gründungsversammlung am 15. Februar 1966 immerhin 65 Sportbegeisterte erschienen.

Doch kaum lief der Sportbetrieb auf Hochtouren, ereilten zwei herbe Schläge die junge Truppe: „Erst gab es eine Typhusepidemie in der Region“, berichtet Hof, „da durfte wegen der Ansteckungsgefahr drei Monate lang nicht geturnt werden. Dann zeigte sich, dass beim Hallenboden ein Baufehler unterlaufen war – er musste saniert werden… Aber nach einem halben Jahr ging es weiter.“

Eigentlich bis heute: Der TV begleitete Generationen von Niederfischbachern bei gesunder sportlicher Betätigung – immer auch Plätze auf den Treppchen im Blick. Neben dem „Alltag“ engagierten sich die „66er“ auf vielerlei Art: So organisierten sie in diesem Jahr zum X-ten Mal das Kreiskinderturnfest auf dem heimischen Sportplatz im Otterbachtal. Dabei sorgen sie jedes Mal dafür, dass bis zu 400 Kinder an altersgemäßen Wettkämpfen teilnehmen und am Ende Medaillen und Urkunden bekommen. Viel logistischen und personellen Aufwand bedeuten auch der Kreisturncup, den der TV oft in seiner Geschichte in „seiner“ Turnhalle für Kinder und Jugendliche organisiert hat, oder aber Kreismeisterschaften und Gürtelprüfungen, die von den TV-Judokas hier durchgeführt werden. „Trotz der vielen Arbeit kommt bei uns auch die Geselligkeit nicht zu kurz“, sagt Geschäftsführerin Katja Otterbach. So gibt es auch Feten und Ausflüge.

Nach wie vor wird für alle Generationen etwas geboten. So gibt es zwei Seniorengruppen, eine als „Außenstelle“ in Freudenberg, die Katja Otterbach leitet; die andere in „Föschbe“ selbst, um die sich Ursula Klein kümmert. Alle hier sind zwischen 60 und 80 Jahre jung. Um die ganz Kleinen kümmert sich Monika Busch, die Kinderturnen für Drei- bis Sechsjährige zusammen mit Sabine Otterbach anbietet, sowie für die Grundschüler (8 bis 10) in einer anderen Gruppe. Das jüngste TV-Mitglied ist gerade mal ein Jahr alt und beim Mutter-Kind-Turnen von Katja Otterbach dabei; das älteste an die 85 Jahre in der Freudenberger Seniorengruppe.

Eines der Aushängeschilder des TV ist in den vergangenen Jahren Melanie Flender. Sie war auch bei überregionalen Wettkämpfen erfolgreich und trug den Namen des TV 66 bis zu Kreis-, Gau- und Rheinland-Pfalz-Turnieren. Vordere Plätze ergatterte sie an Stufenbarren, Schwebebalken, Sprungtisch und im Bodenturnen. „Zugleich war sie eine unserer wichtigsten Übungsleiterinnen“, erklärt Vorsitzende Helga Flender.

Bei so viel Positivem will der Vorstand doch ein Problem nicht verschweigen: „Es wird immer schwieriger, die Vorstandsämter zu besetzen“, erklärt Kassierer Klaus-Peter Zöller. Zwar sei auch der Andrang beim Nachwuchs nicht mehr so groß wie in den 90er-Jahren, als der TV mal über 500 Mitglieder hatte. Doch die Kopfzahl kann sich immer noch sehen lassen, zumal der Verein mit dem SV Adler und dem TuS Germania Fischbacherhütte starke Mitbewerber hat. Schlimmer ist, dass die Vorstandsmitglieder allesamt seit Jahrzehnten nicht abgelöst werden konnten: Vorsitzende Flender ist seit 1987 im Amt, ihre Stellvertreterin Marita Hensel (49) mit Unterbrechungen seit 1996, Kassierer Zöller seit 1978. Ebenso lang ist Oberturnwart Franz Neuhof im Vorstand, der 1981 bis 1987 Vorsitzender war. Eine Ausnahme bildet Geschäftsführerin Otterbach, die den Posten erst seit 2013 inne hat. „Wir bräuchten neue Kräfte im Vorstand“, meint auch sie.

Die 46-Jährige und Manfred Hof sind übrigens der lebende Beweis dafür, dass der TV 66 seit Generationen in vielen Niederfischbacher Familien verwurzelt ist und Vergangenheit und Gegenwart verbindet: Die Geschäftsführerin von heute ist die Tochter des Vorsitzende von damals. „Der Verein ist eine Familientradition“, schmunzelt ihr Vater, „zumal schon mein Vater Turner war und heute meine Enkeltochter auch turnt. Ich kann mir Niederfischbach ohne den TV 66 gar nicht vorstellen.“

Und damit das so bleibt, behält man beim TV 66 den Nachwuchs stets im Auge. Für die Jüngsten gibt es eine „Extraparty“ zum Vereinsjubiläum: Am 20. November startet in der Turnhalle am Rothenberg ab 13 Uhr ein Kinderturntag – zum Schnuppern und vielleicht auch zum Feuer fangen.

Wer mitturnen will, meldet sich unter www.tv-66.de

 

Quelle/Autor: RZ Kreis Altenkirchen vom Mittwoch, 21. September 2016 – Peter Seel
Foto: Markus Döring