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Föschbe ist gruselig, lästernd, fröhlich

Von am 12. Februar 2016

Karneval_Niederfischbach

Helau! Umzug an der Asdorf blieb von Regengüssen verschont – auch von Konfetti-Regen

Niederfischbach. Ganz weit vorne ging gestern beim Karnevalsumzug in Niederfischbach ein gruseliger Sensenmann mit – ob sich Petrus von ihm einschüchtern ließ und deshalb die Schleusen des Himmels nicht öffnete? Die Narren im Zug und an den Straßenrändern jedenfalls blieben von Schauern verschont und genossen einen schrillen Lindwurm, der an Farben, Ideen und närrischer Musik nichts zu wünschen übrig ließ.

Der Sensenmann gehörte zum Motivwagen der „Pirates of Tüpschebach“ aus Harbach, auf dem das abgebrannte Haus Tüschebach als gespenstische Ruine aufragte, umgeben von Piraten, Gerippen und allerlei Horrorgestalten. Das Motto dazu nahm Defizite rund um den Weiher auf die Schippe: „Die Kneipe ist dicht, der Weiher ist es nicht. Die Straße ist zu, jetzt machen wir Buuuhhhh…“

Was am Zuganfang der Wagen der Harbacher, das waren am Ende gleich zweie aus Wehbach: Einmal der Prinzenwagen mit Prinzessin Sandra und viel „Wähwisch Wehlau“, der zweite mit einer Kirchturmglocke. Damit verhohnepipelten die Wehbacher den Umstand, dass in ihrem Dorf nach einer Beschwerde die Kirchturmuhr nur noch jede volle Stunde schlagen darf statt zu jeder Viertelstunde. Ein Verbot beschäftigte auch den letzten Wagen des Lindwurms: Pyrotechnik Fischer aus Freudenberg durfte auf Weisung der Ortsverwaltung diesmal kein Konfetti regnen lassen, weil man das Schnipsel nicht mehr von der Straße bekomme.

Die meisten Zugnummern freilich kamen aus „Föschbe“ selber: So feierten die Frauen vom TV 66 als leckere Geburtstagstorten den diesjährigen 50. Geburtstag ihres Vereins. Die Thekenmannschaft Werner holte auf ihrem Riesenwagen das Oktoberfest in den Westerwald, während die Gruppe „Toga“ („Trinken ohne großen Aufwand“) als „Regenschneemänner“ allen Wetterkapriolen den Kampf ansagte. Aber selbst, wenn das Wetter jemandem im Zug eine Erkältung beschert hätte – so wäre doch die Fußgruppe aus Berg- und Konrad-Adenauer-Straße zur Stelle gewesen, die als fesche Ärztegruppe jede Menge Medizin auf dem Bollerwagen mitführte. Erstmals dabei, gaben sie natürlich die Parole aus: „Feiern, bis der Arzt kommt!“ Ebenfalls für Gesundheit und Fitness zuständig war die Fußgruppe der Physiotherapie-Praxis „Konzept Vital“, die als „Gesundheitsexpress“ eine Polonaise aus 15 Mitarbeitern am Start hatte.

Als flotte Krümelmonster kamen die Spielerfrauen des SV Adler daher; als Seepferdchen vom Mars (wo Wasser gefunden wurde [oder war es doch Schnaps?]) die Damen der Gruppe „Phase 10“; als „aufgescheuchte Vögel“ die – erstmals gemischte – Truppe „Föschber Klüngel“, auf deren Leiterwagen die Erklärung zum Outfit stand: „Das Klima spielt verrückt, die Zugvögel kommen schon an Karneval zurück“. Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren waren die Fußballerinnen des TuS Germania Fischbacherhütte; die Pfadfinder ließen die 80er-Jahre samt der damals „Neuen deutsche Welle“ hochleben; die Clowngruppe Frieda & Freunde stellte klar: „In der Manege sind wir manchmal ernster Miene, doch heute fahr’n wir auf der lustigen Schiene!“ Eine andere Clownsgruppe brachte mit einer fliegenden Schlange aus 800 Heliumluftballons einen tollen Farbklecks ins närrische Geschehen.

Und wenn es schon diesmal kein Konfetti gab – so doch wenigstens Seifenblasen: Die Gruppe Hensel hatte als „Pustefixe“ drei Blasenmaschinen auf ihren Trecker gepackt und das Ganze mit der Botschaft an die Politik verbunden: „Der Traum vom Ort mit guten Straßen zerplatzt wie diese Seifenblasen!“ Als Blumenwiesen verkleidet zeigten sich die Feuerwehr, um im Winter schon mal eine Frühlingsbrise an die Asdorf zu bringen – übrigens sicherte die Föschber Wehr zusammen mit Kollegen aus der ganzen VG Kirchen den Brandschutz mit 37 Mann. Als trinkfeste Schulkinder gingen die jungen Männer des 1. FC Klappstuhl mit, im Gefolge eine Schule auf dem Motivwagen. Tierisch gut drauf zeigte sich auch die „Hähner Krähenschar: Die gefiederten Mädel aus Hahnhof erzählten von einer Krähenplage im Ort…

Für zünftige Musik sorgte neben krachenden Schlagerhits auf den Wagen der Musikverein Niederfischbach in Clownskostümen und der Spielmannszug des TuS Germania in Cowboy- und Indianermonturen. Und so gruselig, wie der Zug begann, so endete er auch: Die Freundesgruppe um Jenny Otterbach schwebte als Geisterschar mit – und beklagte, dass es in der „Geisterstadt Niederfischbach“ immer weniger Geschäfte gibt.

Weitere Fotos unter www.rhein-zeitung.de/ak-land

Autor/Quelle:
Peter SeelRZ Altenkirchen, Betzdorf vom Mittwoch, 10. Februar 2016, Seite 19