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Tierpark Niederfischbach hat seine Falknerei eröffnet

Von am 30. Juni 2015
Stolze 1,60 Meter Flügelspannweite hat Bartkauz Kalle – hier zusammen mit den Falknern Brigitte Bökenkamp und Bernd Bongartz. Foto: Verena Hallermann

Stolze 1,60 Meter Flügelspannweite hat Bartkauz Kalle – hier zusammen mit den Falknern Brigitte Bökenkamp und Bernd Bongartz. Foto: Verena Hallermann

Greifvögel warten auf ihre Fluggenehmigung – Genehmigung des Jagdpächters steht aus

Etwas angespannt blickte die kanadische Uhu-Dame Elli den herannahenden Besuchern entgegen. Denn die vierjährige Elli hat eine Kinderwagen-Phobie. „Wir müssen ihr noch beibringen, dass nicht jede Schubkarre ein Kinderwagen ist“, schmunzelte Falkner Bernd Bongartz über seine jüngste Eule. Bei der Eröffnung der Falknerei im Tierpark Niederfischbach am Samstag stellte das aber kein Problem dar. Im Gegenteil: Elli begrüßte zusammen mit 13 weiteren Eulen und Greifvögeln lautstark Geschäftsführer Peter Merzhäuser, Ortsbürgermeister Matthias Otterbach und weitere Besucher.

„Jeder hat hier so seine persönliche Macke“, erzählte Bongartz. „Der eine mag keine Kappen, der andere hat Angst vor Rädern.“ Bartkauz Kalle ist dagegen ein richtiger Sonnenschein, ergänzte Falknerin Brigitte Bökenkamp, die sich zusammen mit Bongartz um die Tiere kümmert. Stets verschmust und gut gelaunt, verbringt er seine Zeit in seiner 20 Quadratmeter großen Voliere. Nur wilde Mäusebussarde bringen ihn aus der Ruhe, da diese ihn zu sehr an die Steinadler aus seiner Heimat in Nordamerika erinnern. „Die müssen sich hier erst mal an die Geräuschkulisse gewöhnen“, so Bongartz zu der lautstarken „Unterhaltung“ der Eulen und Greifvögel mit den benachbarten Ziegen, Schafen und Kühen. „Das ist noch alles neu.“

Die Angst, dass ein Bewohner mal während des Trainings wegfliegt und sich „unbezahlten Urlaub“ gönnt, hat Bongartz auch noch nach zehn Jahren. Das, was den Greifvogel wieder zum Falkner lockt, ist das Futter. Und davon gibt es reichlich: Mäuse und Ratten, aber auch Tauben, Hühnchen und Rindfleisch stehen auf der Speisekarte. Im Notfall lassen sich die Tiere aber auch anhand eines Peilsenders orten. „Man kann die Vögel aber zu nichts zwingen“, betonte Bongartz. „Die gehören mir nur auf dem Papier.“

Auf 300 Quadratmetern sind insgesamt 15 Volieren und ein Vorführplatz mit 120 Sitzplätzen entstanden. Hier haben auch ein Wüstenbussard, mehrere Falken und Steppenadler sowie ein sibirischer Uhu und ein Fleckenuhu ein neues Zuhause gefunden. Freiflug kommt bis auf Weiteres für die Tiere aber nicht infrage, da noch die Genehmigung des örtlichen Jagdpächters fehlt. Wann Bongartz mit dem Training und den Flugshows im Tierpark beginnen kann, ist daher noch unklar. „Rein rechtlich gesehen ist das Jagdausübung“, so Bongartz. „Ohne die Genehmigung wäre alles umsonst.“ Eine Flugshow soll zweimal täglich um 12 und 16 Uhr an sechs Tagen der Woche angeboten werden. Ein Gespräch mit dem Jagdpächter steht an.

Insgesamt hat der Tierpark rund 45 000 Euro in den Bau investiert. Dabei handelt es sich nur um Materialkosten. Der Bau der Volieren wurde nämlich mit ehrenamtlichen Helfern verwirklicht. Die Falknerei kann ab sofort besichtigt werden – auch von den kleinen Gästen im Kinderwagen. Nur Hunde müssen draußen bleiben. „Für die kleinen Greifvögel sehen die alle aus wie Wölfe“, so Bongartz. „Egal, wie groß oder klein der Hund ist.“

 

Quelle:
Verena Hallermann – RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Montag, 29. Juni 2015, Seite 24

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