Auf den Spuren des im Giebelwald gefallenen Wehrmachts-Unteroffiziers Johann Huckfeldt

Von am 16. Juni 2015
Begrüßung der Gäste durch Ortsbürgermeister Matthias Otterbach im Ortsteil Hahnhof. (vl. Rolf-Dieter Huckfeldt, Tochter Sandra Huckfeldt, Ortbürgermeister Matthias Otterbach)

Begrüßung der Gäste durch Ortsbürgermeister Matthias Otterbach im Ortsteil Hahnhof. (vl. Rolf-Dieter Huckfeldt, Tochter Sandra Huckfeldt, Ortbürgermeister Matthias Otterbach)

Quälende Fragen – Neffe aus Schleswig-Holstein findet Antworten in Niederfischbach

Hahnhof. Auch 70 Jahre nach Kriegsende haben viele Menschen noch quälende Fragen zu den Todesumständen von gefallenen Angehörigen. So auch bei Rolf-Dieter Huckfeldt aus Arpsdorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde, dessen Onkel Johann Huckfeldt in Niederfischbach-Hahnhof in einem Massengrab beerdigt wurde. Später wurde der Bruder seiner Mutter dann nach Wissen/Sieg auf den Ehrenfriedhof Alserberg umgebettet.

Der 74-jährige Rentner hatte im Internet erste Informationen zu den Kriegsereignissen in und um Niederfischbach gefunden, unter anderem auch auf der Homepage www.niederfischbach.de. Er nahm Kontakt mit Gerd Braas auf, der die gemeinsame Internetpräsenz der Ortsgemeinde und Aktionsgemeinschaft Niederfischbach betreut. Nach einigen Telefonaten und Emails wurde dann das vergangene Wochenende als Besuchstermin festgelegt und Rolf-Dieter Huckfeldt reiste freitags in Begleitung seiner Tochter an. Unterkunft fanden die Beiden im Hotel Fuchshof. In den Tagen davor hatte Braas die Zeit genutzt, um sich selbst über die Kämpfe in und um den Giebelwald zu informieren. Im Internet stieß er auf den Betzdorfer Autor des Buches „Das Kriegsende in der Heimat“, Ralf Anton Schäfer. Dieser war sofort bereit, an einem Treffen teilzunehmen und seine Kenntnisse über das Frontgebiet Giebelwald preiszugeben. Auch kontaktierte Gerd Braas noch Herbert Dietershagen, dessen zweite Heimat der Giebelwald ist. Ein kleines Programm wurde für die Besucher aus Schleswig-Holstein zusammengestellt.

Auf Spurensuche - v.l: Herbert Dietershagen, Ralf Anton Schäfer (Autor "Das Kriegsende in der Heimat"), Rolf-Dieter Huckfeldt und tochter Sandra.

Auf Spurensuche – v.l: Herbert Dietershagen, Ralf Anton Schäfer (Autor „Das Kriegsende in der Heimat“), Rolf-Dieter Huckfeldt und Tochter Sandra.

Nachdem Braas freitags erstmal die Besucher mit der Asdorftalgemeinde vertraut gemacht hatte, ging es dann samstagmorgens auf den Hahnhof. Begrüßt wurden dort Rolf-Dieter Huckfeldt und seine Tochter Sandra von Ortsbürgermeister Matthias Otterbach, der auch als kleines Gastgeschenk die Ortschronik, ein Buch über den Erzbergbau, sowie Wanderkarten der Themenwanderwege von Niederfischbach mitgebracht hatte.

Rolf-Dieter Huckfeldt zeigte sich gerührt von der Gastfreundschaft und dem Bemühen aller Anwesenden, die Umstände des Todes seines Onkels nach so langer Zeit, so weit wie es noch möglich ist, aufzuklären.

„Es war mir ein innerer Drang, hier nach Niederfischbach zu kommen, um mir den Ort anzuschauen, wo das Leben meines Onkels ein viel zu frühes Ende fand“, so Huckfeldt. Und weiter: „Dieser Herzenswunsch wurde in den letzten Jahren immer stärker. Das Ehrengrab meines Onkels in Wissen habe ich zwar als junger Mann, damals mit meiner Mutter, besucht, aber viel wichtiger ist es mir, hier heute an diesem Ort und dieser wirklich wunderschönen Landschaft zu sein – wenn auch mein Onkel sicher für diese schönen Ausblicke in seiner aussichtslosen Lage kein Auge gehabt haben wird“.

Am Erinnerungskreuz von Leutnant Klaus Morré

Am Erinnerungskreuz von Leutnant Klaus Morré der am 04.04.1945 im Giebelwald starb.

Ralf Anton Schäfer berichtete dann über die schweren Kampfhandlungen im Bereich des Giebelwaldes. Die Amerikaner waren am 25. März aus dem Brückenkopf von Remagen ausgebrochen und erreichten am 1. April 1945 die damalige Ortschaft Kirchen. Die heutige Stadt wurde aus Richtung Herkersdorf-Offhausen ohne große Gegenwehr eingenommen.

Nachdem die Amerikaner dann die Sieg bei Brühlhof überschritten hatten, erfolgte von dort der Vorstoß auf Freusburg und den Giebelwald. Die amerikanischen Angriffe führten aus drei Richtungen auf dem Giebelwald zu: Von Freusburg, von Mudersbach und von Niederschelden her, ab dem 6. April auch noch aus Richtung Hahnhof.

Am 7. April wurde Niederfischbach dann eingenommen. Bei diesen Kampfhandlungen in den ersten Tagen des Monats April wird der junge Unteroffizier, Angehöriger der 2. Flak./Abt. 76.,  Johann Huckfeldt, dann tödlich verletzt worden sein. Er war einer der mehr als 150 deutschen und amerikanischen Soldaten, welche ihr Leben für einen sinnlosen Krieg im Bereich des Giebelwaldes verloren haben und ihre Heimat nie wieder sehen sollten. Der Unteroffizier wurde mit 12 weiteren toten Soldaten am Ortseingang von Hahnhof am 10. April beerdigt. Die Gräber wurden, wie die Chronik des kath. Pfarramt berichtet, unter großer Beteiligung der Bevölkerung am 15. April 1945 vom damaligen Pfarrer der kath. Pfarrgemeinde Niederfischbach Konrad Engel eingesegnet.

Spurensuche in der Gemarkung Vogelsang (v.l. Rolf-Dieter Huckfeldt, Herbert Dietershagen, Gerd Braas, Tochter Sandra Huckfeldt)

Spurensuche in der Gemarkung Vogelsang (v.l. Rolf-Dieter Huckfeldt, Herbert Dietershagen, Gerd Braas, Tochter Sandra Huckfeldt)

Nachdem Ralf Anton Schäfer den Gästen die Lage der damaligen Grabstätte gezeigt hatte, ging es für Rolf-Dieter und Sandra Huckfeldt mit einem Geländewagen zu den Soldatengräbern auf den Giebelberg und danach zum Kreuz von Leutnant Klaus Morre, welcher als 19-jähriger Leutnant sein Leben im Bereich der Totenbuche verloren hatte.

Herbert Dietershagen führte die Gruppe noch an wichtige Punkte und Gemarkungen wie beispielsweise Vogelsang und Helbachskopf, an denen damals schwerste Kampfhandlungen stattgefunden haben. „Hier ist ihr Onkel zu einhundert Prozent ebenfalls gewesen und hier hat er auch sicher an Kampfhandlungen teilgenommen“, so Dietershagen zu Huckfeldt. Danach ging es wieder über das Niederfischbacher Eisenwerk zurück.

Gedenkstein von Johann Huckfeldt (wird eigentlich mit dt geschrieben) auf dem Ehrenfriedhof in Wissen.

Gedenkstein von Johann Huckfeldt (wird eigentlich mit „dt“ geschrieben) auf dem Ehrenfriedhof in Wissen.

Besuch des Ehrenfriedhofs in Wissen Sieg.

Besuch des Ehrenfriedhofs in Wissen Sieg.

Den nächsten Tag besuchten die Huckfeldts noch die Heilige Messe im Siegerländer Dom und machten danach einen Abstecher in den Niederfischbacher Tierpark. Anschließend ging es von dort nach Wissen zum Ehrenfriedhof Alserberg. Hier wurden noch der Ehrenfriedhof und das Grab des Unteroffiziers besichtigt. Nach einer Stärkung im Bauernhof Café Hof Hagdorn wurde die über 500 Kilometer lange Heimreise angetreten. Abends erreichte Braas dann noch eine SMS: „Wir sind gut daheim angekommen. Ich persönlich möchte mich noch mal bedanken. So habe ich meinen Vater selten erlebt. Diese Tage in Niederfischbach werden auch mir unvergessen bleiben. Liebe Grüße an alle.“ Sandra Huckfeldt.

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