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Der Tierpark bekommt jetzt eine Falknerei

Von am 9. März 2015
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Bernd Bongartz – hier mit einem Bartkauz – ist ab April der neue Falkner im Tierpark Niederfischbach. Sobald die Baugenehmigung vorliegt, wird auf dem Areal eine Falknerei mit großen Volieren gebaut. Dann gibt es zwei Mal täglich für Gäste eine Freiflugvorführung von Greifvögeln und Eulen.

Ab April täglich Freiflugvorführungen – Größte Eulenart der Welt bald in Niederfischbach

Niederfischbach. Bald wird ein Exemplar der größten Eulenart der Welt im Tierpark von Niederfischbach ein neues Zuhause finden: Die sibirische Uhudame Wiebke dürfte mit ihrer Flügelspannweite von mehr als 1,80 Meter bald zu den „Stars“ hier gehören. Sie zieht im April zusammen mit 15 Greifvögeln und Eulen ins Kesselbachtal – mit den genauso großen asiatischen Steppenadlern Sammy und Soltan, mit den extrem flinken amerikanischen Wüstenbussarden Juanita und Michel, mit dem indischen Luggerfalken Mäxchen und dem nur drosselgroßen amerikanischen Buntfalken Moritz sowie dem afrikanischen Fleckenuhu Emil. Sie kommen mit dem Falkner Bernd Bongartz aus Lambrecht bei Neustadt an der Weinstraße ins AK-Land. Denn im oberen Bereich des Tierparks wird jetzt als neue Attraktion eine Falknerei mit zwei größeren Gebäuden und einem Vorführplatz gebaut.

„Sobald die Baugenehmigung da ist, können wir loslegen“, erklärt Peter Merzhäuser, der Geschäftsführer des Tierparkvereins. Mindestens 30 000 Euro investiert der Tierparkverein in das Projekt. Mit dem 49-jährigen Bongartz ist der Vertrag schon abgeschlossen, wonach es ab April zwei Mal täglich eine 45-minütige Freiflugvorführung mit den unterschiedlichsten Greifvögeln und Eulen gibt. Die Uhrzeiten dafür stehen noch nicht fest – wohl aber, dass die Vorführungen in der Tierpark-Eintrittskarte enthalten sind. „Eine Falknerei passt bestens in unser Konzept“, sagt Merzhäuser, „immerhin heißen wir ja seit drei Jahren Naturerlebniszentrum Tierpark Niederfischbach. Und so eine Falknerei ist wirklich ein Naturerlebnis – näher kann man den Wildtieren kaum sein.“

Bei den Vorgesprächen mit dem gebürtigen Rheinländer Bongartz, so Merzhäuser, habe man festgestellt, dass beide Seiten in ihren Vorstellungen von Tierhaltung übereinstimmen. „Die meisten Falkner bevorzugen für ihre Vögel die Anbindehaltung, also dass ein Falke oder Uhu mit einem Geschüh und einer Langfessel an seinem Sitzplatz angebunden wird. Das wollten wir keinesfalls. Bongartz bevorzugt die Freihaltung in der Voliere – das passte.“ Daher baut der Tierpark nun eine Volierenanlage, die deutlich über deren sonstige Mindestgrößen hinausgeht. Während sonst zwölf Quadratmeter als ausreichend betrachtet werden, sollen die Gehege in Föschbe 20 Quadratmeter groß und 3,50 Meter hoch sein.

Der Falkner, der vor seiner Zeit an der Weinstraße sieben Jahre lang im nordhessischen Wildpark Meißner tätig war, findet den Tierpark in Niederfischbach genauso ideal für seine Arbeit, wie man ihn dort als ideal zur Attraktivitätssteigerung sieht. „Es ist zwar ein kleiner Park“, sagt Bongartz, „aber einer, wo die Besucher wegen der Tiere kommen. In anderen geht der Trend zu Wasserrutsche und Bobfahren, und das eigentliche Anliegen, Tiere und Natur zu zeigen, gerät in den Hintergrund.“ Der Mensch schütze nur, was er kennen und schätzen gelernt habe, sagt der Vogelexperte: „Ein Tierpark hat einen Lehrauftrag, soll Wissen vermitteln, Verständnis wecken für Tiere und Natur. Da sehe ich auch meine Aufgabe als Falkner. Zwischen Wasserbob und Riesenrutsche geht das nicht, aber in Niederfischbach wird dieser Gedanke sehr gut umgesetzt.“

Aber wie kam der Falkner auf Niederfischbach? „Ein Freund und Falknerkollege“, erzählt Bongartz, „hatte dort im Tierpark mal eine Vorführung. Er erzählte mir davon, und ich merkte: Das könnte passen. Dann habe ich mit Peter Merzhäuser telefoniert und mir den Park angeguckt. Da wusste ich: Das isses.“ Leben muss der Falkner dann von der Vergütung für seine Vorführungen. In touristisch attraktiveren Gegenden verdiene man zwar mehr Geld, sagt er, „aber dafür stimmt hier das Umfeld“. Er hofft auf eine gute erste Sommersaison: „Zwar müssen die Vögel sich erst an das neue Revier gewöhnen. Dafür muss ich sie auf dem Handschuh herumführen, damit sie sich alles angucken. Das kostet Zeit, aber das wird schon.“

Doch zunächst hat der neue Falkner mal ein Problem mit Niederfischbach: Er und seine Lebensgefährtin suchen verzweifelt ein kleines Haus oder eine Wohnung im Umkreis von 10 bis 15 Kilometern um den Tierpark. Wer helfen will, meldet sich bei Bongartz, Tel. 0171/372 23 73.

Autor: Peter Seel
RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Samstag, 7. März 2015, S.22

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