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Föschber Umzug voller Lebenslust

Von am 18. Februar 2015
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In blond und rosa und mit Krönchen: Als „Chaos-Prinzessinnen“ ging die Gruppe um Mareike Lohr.

Der Veilchendienstagszug bot viel Farbe an einem allzu grauen Februartag

Wenn Feierlaune und Kreativität, Lebenslust und Tradition eine fröhliche Affäre eingehen, dann heißt das beim Karnevalsumzug in Niederfischbach, dass die Narren eine heiße Schau abliefern, die problemlos auch niedrigen Temperaturen trotzt. Denn richtig kalt war es gestern Nachmittag, als sich der schrille Lindwurm aus rund zwei Dutzend Motivwagen und Fußgruppen über die Hauptstraße der Asdorftalgemeinde schlängelte und unter Blasmusik, Karnevalshits aus fetten Boxen sowie zahllosen „Föschbe, hauruck!“-Rufen in den grauen Februar hineinexplodierte.

Das Spektakel erinnerte an die Wurzeln des Karnevals, an Zeiten, als es den Menschen materiell nicht gut ging und sie nicht alles sagen durften, was sie dachten. Doch auch heute, wo keiner mehr hungern muss bei uns, gab’s wieder Schnäpschen und Süßzeug, und an augenzwinkernden Respektlosigkeiten fehlte es auch diesmal nicht.

Ob da die „Föschber Citygirls“ als Seniorengruppe unter dem Motto „Das Junge fehlt, das Alte bleibt“ den demografischen Wandel aufs Korn nahmen; oder ob der „1. SC Klappstuhl“ mit einem Motivwagen samt Jumbojet obenauf als „Klappstuhl-Airlines“ anrollte und die Pilotenstreiks der jüngsten Zeit persiflierte – eine Spur Zeitgeistkritik weht auch im Zug der Niederfischbacher mit.

Verschaukelt wurden natürlich auch die lokalen Wehwehchen. So will der Freundeskreis „Zusammengewürfelt“ eine Straußenfarm in den Bürgerpark bringen, „weil da doch nichts los ist“; oder „Frieda und Freunde“ marschierten als Piraten, die auf den sieben Meeren jede Menge Golddukaten zusammengeraubt haben, um damit die Ausbesserung der Schlaglochpisten im Ort bezahlen zu können – inklusive Seitenhieb auf den Amtsschimmel: „Ob die unsere Ortsgemeinde noch nimmt?“

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Ein Augenschmaus: Der Motivwagen des Föschber „Panzerknacker-Clubs“.

Kneipensterben wird beklagt

Noch trauriger ist man in der Region über das grassierende Kneipensterben: So war die Thekenmannschaft Werner als ein Beerdigungszug in Schwarz zu erleben, mit einem Kreuz am Motivwagen für jede Pinte, die es nicht mehr gibt. Harbachs Narren sahen das ähnlich: „Das Kneipensterben wird immer mehr, drum muss das eigne Bier jetzt her!“ proklamierten sie auf ihrem opulenten Wagen mit Sudhaus, Brauhaus, Stammtisch und echter Zapfanlage. Da wurde unter anfeuerndem „Hahbisch, na da jöh!“ das eigene Harbacher Bier feilgeboten.

Imkerträume machte die Toga-Truppe mit ihren kessen Bienen wahr, während Alexandra Hensel und Freunde als Cowboys und Indianer mit dem (Leiter-)Planwagen Wildwest spielten. Dass der Löschzug der Föschber Feuerwehr im Piratenlook nicht bloß die Enterhaken schwingt, ist klar: Auch Piraten können nämlich Gutes tun – indem sie auf einem großen Wagen mit einem Löschboot obendrauf anrücken. In blond und rosa und mit Krönchen folgten die feschen „Chaos-Prinzessinnen“, eine Abiturienten-Fußgruppe in Berufsbekleidung von der Soldatin bis zum Schornsteinfeger; der Elferrat der Pfadfinder als Footballteam; die Damenfußballerinnen des TuS Fischbacherhütte als „Minions“; die Niederfischbacher Theaterfrauen als „Voxx-Club“ – nicht zu vergessen eine Gruppe aus Hahnhof als „Hähner Schafe“, die beweisen, dass sie „neben blonden, dicken, blöden und armen auch schwarze Schafe“ auf ihren Wiesen dulden. Abgerundet wurde der Zug stilecht vom Wehbacher Prinzenwagen, vom „Märchenzauber“-Lkw der Pyrotechnik Fischer (Freudenberg) oder dem Motivwagen des Föschber „Panzerknacker-Clubs“.

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Die Damenfußballerinnen des TuS Fischbacherhütte als „Minions“ sorgten mächtig für Stimmung.

Dschungel und Achterbahn

Als ganze Kapelle von „Bob, dem Baumeister“ bewies der Spielmannszug des TuS Germania Fischbacherhütte, dass Instrumente manchen Schlagbohrer übertönen können, während der Musikverein Niederfischbach seine närrischen Titel mit Clownsmonturen untermalte. Farbenprächtig blieb es bis zum Schwanzende der wilden Föschber Karnevalsschlange: Tischtennisverein und Kinderfunkengarde aus Harbach verhöhnten das kalte Wetter mit ihrem tropischen Dschungelwagen – und mit einer hitzigen Achterbahnfahrt wirbelte die Gruppe „Föschber Klüngel“ über den mit Kamelle überhäuften Teer.

Quelle: RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Mittwoch, 18. Februar 2015

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