Föschbe stellt Weichen für die nächsten Jahre

Von am 21. Januar 2015

Niederfischbach

Orts-Chef Otterbach sieht Bund-Länder-Programm „Ländliche Zentren“ als große Zukunftschance

Auch in Niederfischbach wird das von Bund und Ländern angebotene Förderprogramm „Ländliche Zentren“, das auf acht bis zehn Jahre ausgelegt ist, als echte Zukunftschance gesehen. Die Asdorftalgemeinde ist hier mit Mudersbach und Brachbach in den Kreis derjenigen Orte in Rheinland-Pfalz aufgenommen worden, die in einem – zuvor festgelegten – Dorfbereich für größere Sanierungs- oder Baumaßnahmen mit bis zu 70 Prozent Fördergeldern rechnen können. Für alle drei Kommunen passt das Programm wie die Faust aufs Auge: Denn mit mehreren Tausend Einwohnern – Mudersbach: 6500; Niederfischbach: 4500; Brachbach: 2400 – waren sie für gängige Dorferneuerungsprogramme zu groß und für die Städtebauförderung zu klein. Zunächst scheint „Föschbe“ mit rund 6,5 Millionen Euro Schulden nicht so gut dazustehen. Doch dafür hat die Gemeinde bereits seit 20 Jahren alle Industriebrachen, wie das ehemalige Kleusberg-Gelände, reaktiviert, „ohne einen einzigen Quadratmeter auf der grünen Wiesen nutzen zu müssen“, betont der Niederfischbacher Ortsbürgermeister Matthias Otterbach. „Kaufkraft im Dorf, Arbeitsplätze, Lebensqualität“, sagt er, „das alles haben wir damit für lange Zeit gesichert.

Das Thema Gesamtkonzept für Niederfischbach haben wir schon in den 90er-Jahren mit einer parteiunabhängigen Konzept-AG ins Spiel gebracht: Ökonomie, Ökologie und den soziokulturellen Bereich wollten wir im Gleichgewicht sehen.“ Ergebnisse waren unter anderem der Radweg, der Bürgerpark, das Wohnheim Mutter Theresa und das betreute Wohnen. Hier kann die Kommune mit dem Förderprogramm „Ländliche Zentren“ nun nathlos anknüpfen: „Damit haben wir die große Chance, unsere Ideen weiter voranzubringen,“ sagt Otterbach. Das Sanierungsgebiet im Ort, erläutert der Bürgermeister, muss 2015 beschlossen werden: „Wir müssen das Förderprogramm dieses Jahr auf die richtige Schiene stellen.“ Bisher hat ein Stadtplanungsbüro aus Kaiserslautern Niederfischbach bereits unter die Lupe genommen und kann nun Vorschläge unterbreiten. „Wir denken an den Bereich der Ortsdurchfahrt von der Einmündung der Siegener Straße, am Marktplatz vorbei, bis zum alten Bahnhof.“ Der Orts-Chef hat eine gute Bürgerbeteiligung im Auge: Mit Informationsveranstaltungen oder Workshops sollen die „Föschber“ mitgenommen werden, ihre Ideen und Vorschläge zur Verbesserung des Dorfes einzubringen. Otterbach weist auch darauf hin, dass Haus- und Grundstücksbesitzer im Sanierungsgebiet, sobald es vom Rat beschlossen ist, „eventuell steuerliche Vorteile geltend machen können – je nachdem, was sie mit ihren Häusern machen wollen.“ In Einzelfällen können Fördermittel sogar direkt an den Eigentümer weitergeleitet werden.

Zum Sanierungsgebiet soll auch ein Teil des Umfeldes der katholischen Kirche gehören. Otterbach: „Der Kirchplatz um den ‚Siegerländer Dom‘ wird ständig wild zugeparkt. Die Straße vor dem Pfarrzentrum ist Kircheneigentum. Die Turnhalle am Rothenberg und die Wohnhäuser in der Nachbarschaft sind deshalb nicht öffentlich erschlossen. Der ganze Bereich muss neu geordnet werden. Die Kirchengemeinde arbeitet bereits an entsprechenden Plänen.“

Zu den Chancen durchs Programm „Ländliche Zentren“ kommen laut Otterbach Zinssätze hinzu, die derzeit so niedrig sind wie nie zuvor, teils um ein Prozent herum. „Hier können wir mit Umschuldungen einige Tausend Euro sparen.“ Und er nennt einen dritten Aspekt, ohne den es nicht geht: Das Ehrenamt. „Wenn all die Ehrenamtler in Vereinen und Bürgerschaft nicht wären, ginge hier gar nichts. Sie sind es, die das Leben in den Ort bringen.“

Dass die Gemeinde hierbei tut, was sie kann, zeigt sich unter anderem daran, dass sie dem Tierpark eine Bürgschaft von 100 000 Euro gewährt hat, „damit man dort entsprechende Kredite aufnehmen und den Park attraktiver machen kann“. Für Bürger und Vereine stehe zudem das Gemeindebüro immer offen – auch, wenn den Orts-Chef in diesem Punkt echte Sorgen beschäftigen: „Wir können nicht mehr so arbeiten, wie wir es gewohnt waren. Unser Büro ist zurzeit nur mit einer halben Stelle besetzt. Das geht gar nicht. Eine weitere halbe Stelle ist im Stellenplan der Verbandsgemeinde vorgesehen. Obwohl diese Stelle die Verbandsgemeinde keinen Cent kostet, verweigert Bürgermeister Stötzel die Neubesetzung.“

Auch dieses Thema wird in Niederfischbach im Jahr 2015 wahrscheinlich immer gegenwärtig sein – zumal es auch sonst bei der Zusammenarbeit mit Kirchen längst nicht so rund läuft, wie es im Sinne der Bürger laufen müsste.

Quelle: RZ Altenkirchen, vom Mittwoch, 21. Januar 2015

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