VG Kirchen sucht händeringend nach Wohnraum

Von am 23. Dezember 2014

Setzen sich für Flüchtlinge ein (von links): Niederfischbachs Erster Beigeordneter Georg Stinner und Marita Wäschenbach übergeben in der Backesstraße eine Spende für die Asyl suchenden, die hier leben. Bernd Schmidt von der Kirchener VG-Verwaltung braucht dringend Wohnungen für Neuankömmlinge; die Miete, sagt er, wird pünktlich überwiesen. Ulrike Zart von der Katholischen Kirchengemeinde sucht Mitstreiter für den „Ausschuss Fremde“.

Asyl: Wer Flüchtlingen ein Zuhause gibt, kann sicher sein, dass die Miete bezahlt wird

Niederfischbach/Kirchen. Im Verbandsgemeinderat hatte die Fraktion der Bündnisgrünen neulich nach der Situation von Flüchtlingen gefragt, die aus den Krisengebieten der Welt in die VG Kirchen kommen, im Speziellen nach der psychologischen und sozialen Betreuung dieser Menschen, die meist schreckliche Erlebnisse zu verkraften haben. Bei der Beantwortung der Frage durch Bernd Schmidt, den Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste (früher Ordnungsamt), stellte sich heraus, dass es nicht nur das von den Grünen angesprochene Problem gibt, sondern dazu ein anderes – das spätestens Anfang kommenden Jahres weit drängender sein wird: Dass es in der VG Kirchen vorn und hinten an Wohnraum für Flüchtlinge und Asylbewerber fehlt. „Wir brauchen dringend Wohnungen“, erklärte Schmidt im Rat. „Für jedes Angebot sind wir mehr als dankbar.“

Die RZ traf sich mit ihm und Ulrike Zart von der katholischen Kirchengemeinde St. Mauritius und Gefährten Niederfischbach, die für den „Ausschuss Fremde“ des Pfarrgemeinderats ebenfalls Unterstützer sucht. Mit der Gruppe hilft sie Neuankömmlingen aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und andern Staaten bei Behördenpost und -gängen, bei Arztbesuchen, Dingen des täglichen Lebens, vermittelt Sprachkurse – alles ehrenamtlich.

Zurzeit, erklärt Bernd Schmidt, gibt es in der VG Kirchen 63 Flüchtlinge und Asylbewerber, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen. Die Hälfte von ihnen, meist Einzelpersonen, hat in der Backesstraße in Niederfischbach eine Unterkunft gefunden, der Rest verteilt sich vor allem auf das Stadtgebiet von Kirchen, wobei es sich weitgehend um Familien handelt. „Die Flüchtlinge, die uns dieses Jahr von der Kreisverwaltung Altenkirchen zugeteilt worden sind, haben wir gerade noch alle untergebracht“, sagt Schmidt, „aber nächstes Jahr stehen wir vor Riesenproblemen: Da werden im Kreis 500 Ankömmlinge erwartet – mindestens 90 müssen dann in der VG Kirchen untergebracht werden.“ Schmidt erläutert, dass Altenkirchen dabei nach einem Schlüssel vorgeht, wonach jede VG im AK-Land einen bestimmte Anteil der Flüchtlinge aufnehmen muss. 18,2 Prozent von denen, die im Kreis eintreffen, kommen in die VG Kirchen. „Bisher ist der Kreis von diesem Schlüssel, je nach Bedarf, auch mal abgewichen“, erklärt Schmidt, „so dass wir 2014 eigentlich zwölf weitere Leute hätten unterbringen müssen. Die wurden dann auf andere VGs verteilt. Der Kreis hat aber angekündigt, dass dies ab Februar anders wird. Wenn wir bis dahin nicht genügend Wohnraum in der VG gefunden haben, werden diese Menschen eines Tages vorm Rathaus stehen und wir müssen sehen, wie wir sie unterkriegen. Es ist, gelinde gesagt, fünf vor zwölf.“

Wer Wohnraum zu vermieten hat, kann sich im Rathaus Kirchen melden. Um die Miete muss sich dabei kein Eigentümer sorgen: Die wird über das Asylbewerberleistungsgesetz überwiesen und kommt immer und pünktlich. „Der Mietpreis sollte angemessen sein“, sagt Schmidt, „und die Räume gut bewohnbar.“ Und er weist darauf hin, dass es noch nie Probleme mit „seinen“ Mietern gab: „Mit ist nicht bekannt, dass da auch nur ein einziges Mal etwas vorgefallen ist.“

Für den Fall, dass sich keine oder zu wenig Privatleute mit ihren Wohnungen oder Häusern melden, sieht Schmidt nur eine Lösung: „Dann müssen wir mittelfristig über Wohncontainer nachdenken. Und da die auch nicht von heute auf morgen irgendwo stehen, wären wir gezwungen, Vereins- und Schulturnhallen als Notunterkünfte heranzuziehen.“

Wenn die Flüchtlinge eine Wohnung haben, kümmern sich Leute wie Ulrike Zart vom Mitte der 1990er-Jahre gegründeten „Ausschuss Fremde“ um sie. Von dem einst halben Dutzend Mitglieder ist sie allein noch übrig. „Aus Zeitmangel und Altersgründen wurden es immer weniger“, sagt sie. Sie geht zu den Leuten hin, lädt sie zu Kaffeerunden ins Pfarrheim ein, „aber außer Asylbewerbern und Pfarrgemeinderat war kein Bürger da. Dabei sind diese Leute hilfsbereit, freundlich, fleißig und suchen Kontakte.“ Neben Mitstreitern sucht sie vor allem eins: Fahrräder und Kleidung (Kontakt: 02734/55 153 oder per Email). Und Zart weiß, wie traumatisiert die Leute sind. „Man kann diese Menschen nicht einfach sich selbst überlassen. Auch wenn Caritas und Diakonie ebenfalls viel helfen, bräuchten wir dringend Sozialarbeiter und Psychologen. Es ist ein Drama.“

Wer eine Wohnung oder ein Haus vermieten möchte, wendet sich an Bernd Schmidt bei der VG-Verwaltung Kirchen, Tel. 02741/688 221 oder /688 208; oder per Email

Autor/Foto: Peter Seel

RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Samstag, 20. Dezember 2014, Seite 20.

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