Insolvenz als Chance: Firma Klein hält durch

Von am 28. Februar 2014

Die Insolvenz bietet der Klein Technical Solutions GmbH in Niederfischbach mehr Chancen als Nachteile: Sie scheint eine Möglichkeit zu sein, sich aus der Umklammerung angeschlagener Konzerne zu befreien. Foto: Sabrina Rödder

Mutterkonzern zieht Niederfischbacher Schlammtechnik-Unternehmen in die Pleite – 50 Beschäftigte hoffen und bangen

Das Macht- und Kapitalgeschacher internationaler Konzerne, die sich um den kleinen Arbeiter in einem Unternehmen irgendwo in der Provinz nicht scheren, hat gerade in Niederfischbach sein Opfer gefunden: Am Montag hat dort die Firma Klein Technical Solutions Insolvenz anmelden müssen – ein Schock nicht nur für die 50 Mitarbeiter, sondern auch für die Kommunalpolitiker, von Ortsbürgermeister Matthias Otterbach bis zu Kirchens VG-Chef Jens Stötzel und Wirtschaftsförderer Rainer Kipping. Denn dass Klein als einer der Weltmarktführer im Bereich Niedrigtemperaturtrocknung von Klärschlamm zahlungsunfähig sein soll, das mochte niemand Glauben. Zu Recht.

Denn seit 2008 die damalige Firma Klein Abwasser- und Schlammtechnik bankrott ging und durch die heutige ersetzt wurde, „brummt“ der Laden und ist mit seinen hoch modernen Anlagen international im Geschäft. Zum Verhängnis wurde Klein, dass die Firma (Jahresumsatz 2013: 10,5 Millionen Euro) eine 100-prozentige Tochter der SH+E-Gruppe im Schwarzwald ist und dass diese seit Sommer 2012 zu 96 Prozent dem Maschinenbauer und Solarriesen RENA angehört. „Der Konzern ist in Schieflage geraten“, erklärt der Betzdorfer Rechtsanwalt Klaus Ortmüller als vorläufiger Insolvenzverwalter bei Klein, „und weil Klein für die Sünden oben mithaftet, geraten auch die Niederfischbacher in den Sog.“ Tatsächlich steckt SH+E seit Oktober in der Krise und hoffte sich durch eine Insolvenz retten zu können.

Doch während die Rettung bei dem Schwarzwälder Konzern längst nicht sicher ist, sieht es für Klein beileibe nicht schlecht aus. Denn das Haus ist so gut aufgestellt, dass sowohl Ortmüller als auch Geschäftsführer Björn Wunderlich davon überzeugt sind, dass es nach einer Umgestaltungsphase sogar noch besser für die Firma aussehen dürfte als bisher. Wunderlich bestätigte im RZ-Gespräch, dass es mindestens einen Interessenten gibt, der bei Klein einsteigen würde. Auch Ortmüller ist zuversichtlich: „Da steckt ein Riesenpotenzial an Know-how drin. In dieser Branche gibt es viele, die so ein Unternehmen gern übernehmen würden.“

Das hat gute Gründe, die Geschäftsführer Wunderlich so auf den Punkt bringt: „Wir haben uns in den sieben Jahren, seit wir angefangen haben, einen sehr guten Ruf aufgebaut. Wir sind innovativ, haben neue Trocknerlinien entwickelt, bauen gerade Anlagen in Koblenz und Erfurt, sind bei großen Projekten in Litauen, Polen, Russland und den Niederlanden dabei.“ Wunderlich kann sich nicht nur auf absolut konkurrenzfähige Produkte berufen, sondern auch auf eine Belegschaft, „die hinter mir steht“. Das kann sie auch: Seit Wochen hat ihr Chef sich bei Gesellschaftergesprächen massiv für den Standort in „Föschbe“ eingesetzt: „Ich habe richtig Druck gemacht, doch man ist auf nichts eingegangen. Da blieb mir nichts anderes übrig als in die Insolvenz zu gehen, um die Firma zu schützen.“ Und er weiß: „Wir sind im Kern gesund – sobald wir uns aus der Umklammerung der Konzerne befreit haben, geht es in Niederfischbach weiter. Wir haben gute Produkte und am Markt ein gutes Standing. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir das Ding in den nächsten Wochen gedreht kriegen.“

Dies dürfte nicht nur bei ihm und seinem Team für Erleichterung sorgen, sondern auch bei den Politikern in Kirchen. Denn VG-Chef Stötzel hatte gleich, nachdem er von der Insolvenz gehört hatte, ein Fax an Landrat Michael Lieber geschickt, in dem er fragte, „ob wir nicht zur alten Praxis zurückkehren können“. Denn der Landesrechnungshof hatte im Dezember bei der Insolvenz der Niederfischbacher Firma Schmidt Oberflächentechnik beanstandet, dass die VG, wie bis dahin immer in solchen Fällen, das Insolvenzgeld für die Mitarbeiter vorfinanziert.

Auch Wirtschaftsförderer Kipping dürfte sich kaum Sorgen um die Miete der Klein-Hallen machen, die der Struktur- und Entwicklungsgesellschaft Kirchen gehören, für die er zuständig ist: „Ich bin überzeugt, dass die Erfolgsgeschichte von Klein weitergeht.“

 

Autor/Quelle: Peter Seel
RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Freitag, 28. Februar 2014, Seite 17

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.