Aktuell

Tierpark: Die Fischotter kommen schon im Frühsommer

Von am 5. Januar 2014

Dieses Frühjahr sollen die Fischotter im Tierpark Niederfischbach einziehen und die neue Attraktion werden.

Der Tierpark Niederfischbach zieht den Bau des neuen Geheges vor – Weitere Umbaumaßnahmen sind geplant

Das neue Jahr startet für den Tierpark Niederfischbach mit einer buchstäblich goldwerten Entscheidung: Spätestens im Frühsommer soll das seit Langem anvisierte neue Ottergehege fertig sein – viel eher als bisher geplant. Im unteren Bereich des Parks gelegen, nahe dem Eingang, soll das 800 Quadratmeter große Areal der nächste Baustein bei der Neugestaltung des Tierparks sein. Kosten: rund 30 000 Euro. Damit dürfte eine echte Attraktion im Kesselbachtal entstehen – denn in vielen anderen Parks sorgen die putzigen und verspielten Gesellen für jede Menge Andrang.

Bisher plante der Vorstand des Tierparkvereins, zuerst genug Spendengelder zu sammeln und erst dann das Gehege zu errichten. Jetzt will man sofort mit dem Bau beginnen und dies mit einem Kredit finanzieren. Danach helfen die Tiere sozusagen selbst bei der Refinanzierung: Denn vom Tag ihrer Ankunft in Niederfischbach dürften sie neue Besucher in den Park locken und somit Geld in die Eintrittskasse bringen. Parallel soll die Spendenaktion „Ohne Schotter keine Otter“ angekurbelt werden.

Peter Merzhäuser, Geschäftsführer des Tierparkvereins, berichtet, man habe im Sommer die Besucherzahlen und das Verhalten der Gäste untersucht. Dabei sei vor allem klar geworden, dass ein normaler Besucher etwa eine Stunde im unteren Teil des Parks bleibt. „In dieser Zeit“, erklärt Merzhäuser, „macht sich der Besucher ein Bild, ob ihm der Park gefällt oder nicht – und somit auch, ob er wiederkommt und ihn weiterempfiehlt. Wir haben mit vielen Gästen gesprochen. So wurde klar, dass der untere Bereich noch attraktiver werden muss. Hier gibt es zwar schon Kinderspielplatz, Kiosk und Storchenanlage, auch sind Marderscheune, Eulerei, Kaninchenburg, Uhuvoliere, und Marderhund-Gehege fertig – doch da muss noch ein echtes Highlight hin. Und das sind die Fischotter.“

Bisher hatte sich das Tierparkteam vorgenommen, pro Jahr ein Umgestaltungsprojekt zu erledigen. „Doch bis wir da fertig wären“, sagt Merzhäuser, „würde es acht oder neun Jahre dauern. Da wir aber davon leben, immer mehr Besucher zu haben, müssen wir mit unseren Projekten schneller sein.“ So soll es nach Fertigstellung des Ottergeheges gleich weitergehen: „Der Bereich zwischen Kiosk und den Wirtschaftsgebäuden im oberen Parkteil soll spätestens bis zum Frühjahr 2015 komplett fertig sein.“

Hintergrund: Anfang 2012 war ein neues Tierparkkonzept beschlossen worden – nach und nach sollen exotische Tiere an andere Zoos abgegeben werden und nur noch Tierarten unserer Breiten das Areal bevölkern. Damit einher geht die bauliche Umgestaltung, wofür bereits 60 000 Euro investiert wurden. Fürs neue Gehege – das sich die Fischotter mit den bereits im Park lebenden Waschbären teilen – werden die bisherigen Teiche der exotischen Mandarin-, Braut- und Zwergenten, die an einen Tierpark bei Halle vermittelt wurden, umgestaltet. Auch das Betongebäude, in dem derzeit noch die Waschbären auf beengtem Raum leben, soll dem neuen Ottergehege weichen. Es wird eines der größten im Tierpark und die Optik im unteren Parkbereich bestimmen.

Dafür wird der Hauptweg verlegt: Statt vom Kiosk aus geradeaus hoch soll er nun eine Schleife bilden, die um das Ottergehege herumführt. Über eine hüfthohe Mauer hat der Gast dann einen offenen Blick ins Gehege, unmittelbar zum Teich mit den Ottern. Drinnen gibt es zwei Ebenen: Unten, auf Erdbodenhöhe, leben die Fischotter; hinten, im Bereich der Bäume, werden weitere Kletterstrukturen mit Brücken und Seilen für die Waschbären geschaffen.

So können sich beide Arten aus dem Weg gehen – denn Otter können nicht klettern, und beide Arten mögen sich nicht besonders. Da sie aber gleichgroß und gleichkräftig sind, kommt es in der Regel nicht zu ernsthaften Auseinandersetzungen, sondern es bleibt bei Drohgebärden und Kommentkämpfen. Merzhäuser: „Das beschäftigt die Tiere und ist gut gegen Langeweile. Sie balgen sich um Futter, erleben positiven Stress.“

Demnächst soll auch die Scheune für große Eulenarten anstelle der heute bestehenden Fasanerie fertig sein. Gegenüber wird eine weitere alte Voliere der neuen Kolkrabenvoliere weichen. Ferner sollen bis 2015 die zwei Weiher oberhalb des Storchenareals umgestaltet werden: Einer für Marderhunde, der andere für Nutrias – südamerikanische Sumpfbiber mit einem Rattenschwanz, die seit 70 Jahren in unseren Breiten heimisch sind. Einst ausgebüxt aus Pelztierfarmen, wurden sie, ähnlich dem Waschbär, zu heimischen Tieren.

Drei Fischottermännchen aus der Lüneburger Heide

Geplant ist, eine Junggesellengruppe von drei Fischottermännchen nach Niederfischbach zu holen. Sie kommen aus dem Otterzentrum Hankensbüttel in der Lüneburger Heide, wo die Art gezüchtet wird – nur für Tierparks. Allerdings muss man im Kesselbachtal bis Sommer Geduld haben, denn man steht auf einer Warteliste. Züchten will man die Otter im Park nicht, weswegen man kein Pärchen geordert hat. Die Waschbären beziehen das neue Gehege schon vorher – rund zehn kommen vom Verein „Aap“ in den Niederlanden, der sich der Rettung von Affen aus schlechter Privathaltung verschrieben hat. Von Zoos nimmt „Aap“ eigentlich keine Affen an, aber hier wird eine Ausnahme gemacht: „Aap“ nimmt im Tausch gegen die zehn Waschbären die drei älteren Berberaffen aus „Föschbe“. So bekommen die im Tierpark verbleibenden Weißhandgibbons doppelt so viel Platz wie vorher. sel

 

Autor/Quelle: Peter Seel - Rhein-Zeitung

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.