HAUSBRAND: Familie ist für Hilfe dankbar

Von am 22. November 2012

Die Dreschers benötigen ab Februar vorübergehend eine neue Bleibe

Den 29. Oktober werden die Dreschers nie vergessen. Es war der Tag, an dem Daniel Drescher an seinem Arbeitsplatz einen Anruf von seiner Frau bekam: „Das Haus brennt! Die Kinder sind in Sicherheit – komm so schnell du kannst!“

Da sei er von Langenholdinghausen bei Siegen zum Tüschebachsweiher gerast, sagt der 27-Jährige. Seine Frau hatte das Feuer in dem alten Einfamilienhaus mehr oder weniger per Zufall morgens um halb zehn im Kinderzimmer entdeckt, wo die zweieinhalbjährigen Zwillinge Maja-Marlen und Sophia-Elisabeth im Bett lagen. „Normalerweise gehe ich morgens immer erst in die Küche, mache das Frühstück und hole danach die Kinder – ich weiß eigentlich bis heute nicht, warum ich das an diesem Montag anders gemacht habe“, erzählt die 24-jährige Mama Gloria. „Im Treppenhaus, im Flur – nirgendwo roch es nach Qualm. Aber als ich ins Kinderzimmer kam, schlug mir dicker Rauch entgegen, alles war schwarz.“ Die Kinder hatten einen Schutzengel. Wäre ihre Mutter etwas später zu ihnen gekommen, hätte sie eine Katastrophe kaum noch aufhalten können.

„Ich geriet erst mal in Panik“, erzählt Gloria Drescher, „rannte runter und rief die Nachbarn an, damit sie Polizei und Feuerwehr alarmieren. Dann lief ich wieder hoch, versuchte zwei oder drei Mal, ins Kinderzimmer zu kommen, aber der Rauch war zu stark. Dann warf ich mir eine Decke über, holte erst das eine Kind, dann das andere und trug sie runter ins Wohnzimmer.“

Als die Feuerwehren von Kirchen, Harbach, Niederfischbach, Friesenhagen, Wehbach, Brachbach und Freudenberg mit fast 70 Einsatzkräften kamen und das Haus über zwei Drehleitern von zwei Seiten löschten, kam Gloria mit den Kindern bei den Nachbarn unter. Von dort ging es ins Kirchener Krankenhaus – wegen Rauchgasvergiftung musste die Mutter einen Tag, die Zwillinge sogar drei Tage behandelt werden.

Das ist nun fast vier Wochen her. Die Familie hat den ersten Schock überstanden, seit dieser Woche sind die Handwerker da, um das Anfang des 19. Jahrhunderts als Teil der Tüschebacher Mühle errichtete Fachwerkhaus zu sanieren – und dass, obwohl es durch Feuer und Löscharbeiten arg ramponiert wurde. Das Obergeschoss ist ausgebrannt, das Dach wurde von der Feuerwehr eingerissen, um erst die Flammen und dann bis in den Abend hinein auch die letzten Glutnester ablöschen zu können. In Flur und Untergeschoss haben sich durch das Löschwasser alle Tapeten abgelöst, sind die Wände aufgedunsen; Nahezu sämtliche Möbel wurden zerstört, und überall liegt nach wie vor der beißende Feuergeruch in der Luft.

Mindestens 150 000 Euro Schaden sind entstanden, schätzte die Feuerwehr schon am Tag des Brandes. Daniel Drescher vermutet, dass die Sanierung sogar teurer wird. In den nächsten Tagen werden eine neue Heizung, Strom und Wasserleitungen installiert beziehungsweise angeschlossen. Dann kann es mit den Dach- und Innenarbeiten losgehen. Der Vater dankt übrigens seinem Arbeitgeber, dem Löwenhof Gartenbau in Langenholdinghausen, wo er als Garten- und Landschaftsbauer tätig ist: „Ich kann oft frei machen, um am Haus zu arbeiten. Das ist für uns wichtig.“

Zum Glück zeige sich auch die Versicherung kooperativ, sagt der Familienvater, man hoffe auf volle Unterstützung. Vor allem aber lobt das Ehepaar die tatkräftige Unterstützung aus ganz Niederfischbach: Die Kindergärten beschenkten sie mit Kleidung und Spielzeug und sammelten Spenden, ebenso sammelte das benachbarte Bauzentrum Kaiser für sie. Auch Niederfischbachs Ortsbürgermeister Matthias Otterbach habe sich eingesetzt, und viele Privatleute hätten der jungen Familie geholfen, allen voran die Thiemanns nebenan und Freunde von der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Siegen. Und nicht zuletzt danken die Dreschers natürlich der Feuerwehr – „dafür, dass sie unser Haus gelöscht hat“. Während Papa Daniel in den ersten Tagen bei seinen Eltern in Langenholdinghausen übernachten konnte und die drei anderen im Krankenhaus blieben, erreichte die Familie ein Wohnungsangebot: Die Betreiber einer Ferienhausanlage im Arnsbachtal bei Katzwinkel stellten der obdachlosen Familie eines der Häuser zur Verfügung. „Den Leuten sind wir sehr dankbar“, sagt Gloria Drescher, „wir brauchen dort nur Strom, Wasser und Nebenkosten zu bezahlen.“

Allerdings beginnt am 1. Februar wieder die Saison für die Ferienhausvermieter: Dann muss die Familie spätestens wieder ausziehen. Da ihr Haus am Tüschebachsweiher bis dahin kaum bezugsfertig sein dürfte, suchen die Dreschers und ihre beiden American-Bulldog-Hunde Balu und Mila eine andere Wohnung in Niederfischbach.

Erst im Sommer 2010 waren sie von Alchen ins AK-Land gezogen, hatten das Haus gekauft. Neben dem Wohnungsproblem gibt es ein weiteres: Mama Gloria hat keinen Führerschein, und den bräuchte sie gerade jetzt. Zwar wurden die Zwillinge früher als geplant in der Kindertagesstätte St. Hildegard aufgenommen, aber die Mutter wollte die Fahrerlaubnis eigentlich im Frühjahr machen – momentan ist das finanziell nicht möglich.

Inzwischen hat die Kripo Betzdorf auch bestätigt, dass es ein Kabelbrand im Obergeschoss, in direkter Nähe zum Kinderzimmer war, der das Feuer ausgelöst hatte. „So eine kleine Ursache – und so eine große Wirkung“, schüttelt Drescher den Kopf. Wer die Fotos vom Hausinneren sieht, kann das nur bestätigen. Weihnachten werden die vier wohl noch im Ferienhaus bei Katzwinkel erleben.

Wer der Familie Drescher helfen möchte oder ihr ab 1. Februar eine möglichst möblierte Wohnung zur Verfügung stellen kann, erreicht Daniel Drescher unter 0171/735 62 41.

Autor / Quelle:
Peter Seel – RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Donnerstag, 22. November 2012, Seite 22

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